Maibaumaufstellen, Oststeiermark | © Steiermark Tourismus | Atelier Jungwirth / Christian Jungwirth Maibaumaufstellen, Oststeiermark | © Steiermark Tourismus | Atelier Jungwirth / Christian Jungwirth
    Bräuche im Jahreslauf

    Jahreszeiten-Brauchtum in der Steiermark

    Bräuche markieren bedeutungsvolle Abschnitte im Jahresverlauf. Sie sind Übergangsriten zwischen den verschiedenen Jahreszeiten, die häufig mit Festen begrüßt oder verabschiedet werden. Schon seit vielen Jahrhunderten schaffen Bräuche damit ein unvergleichliches Gefühl der Zugehörigkeit und Gemeinschaft – und das unter anderem auch in allen elf Regionen der Steiermark.

    Besinnlich und stimmungsvoll

    Advent und Weihnachten

    Von buntgeschmückten Adventkränzen bis hin zu traditionellen Brauchtumsfesten mit verlockender Weihnachtsbäckerei: Die Vorbereitung auf die Weihnachtszeit ist auch in der Steiermark ein wichtiger Bestandteil der Kultur. Im Kreise der Familie wird gebastelt, gebacken und gesungen, um das Warten auf die Festtage zu verkürzen. 

    Jedes Jahr am 5. Dezember bringt der Heilige Nikolaus Geschenke für die Kinder. Begleitet wird er von angsteinflößenden Gestalten, den Krampussen, die bei den regionalen Krampusläufen bestaunt werden können.  

    Das Öblarner Krampusspiel ist eines der letzten steirischen Volksschauspiele und wurde von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erhoben. Es findet in bäuerlichen Gehöften und als öffentliche Darbietung auf dem Marktplatz statt. Figuren wie Jäger, Luzifer und sein Gefolge, Schmied und „Habergoas“ (eine Dämonenfigur in Gestalt einer Ziege mit Pferdehufen) werden von Laien dargestellt. Gesprochen werden Originaltexte aus dem 18. Jahrhundert. 

    Krampusspiel in Öblarn (Nikolaus, Krampus, Tod): Immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO | © Öblarner Krampusspiel | H. J. Danklmayer
    Kaiser-Josef-Markt in der Adventszeit, Graz | © Steiermark Tourismus | Tom Lamm
    Mariazeller Advent | © Mariazeller Land GmbH | www.mariazellerland-blog.at

    Krippe, Kerzen, Äpfel und Nüsse gehören zum Weihnachtsfest am 24. und 25. Dezember einfach dazu. Genauso wie traditionelle Strohsterne und der Christbaum, der wie überall auch in der Steiermark seit dem 19. Jahrhundert Brauch ist. Die Weihnachtskrippe, die szenisch die Geburt Jesu darstellt, geht übrigens auf Franz von Assisi zurück. 

    Lichterketten in den Städten, Adventveranstaltungen im Freilichtmuseum in Stübing oder gemütliche Winterwanderungen wie die Christmettenwanderung in der Heimat von Peter Rosegger: Freuen Sie sich auf unvergessliche Wintermomente in der Steiermark!

    Tipp: Bastler können ihr handwerkliches Geschick bei regionalen Workshops zum Adventkranzbinden, beim Bemalen von Christbaumkugeln oder beim Laternenbasteln unter Beweis stellen. Wer nach steirischer Handwerkskunst sucht, wird außerdem auf den Adventmärkten fündig. 

    Quellenangaben:
    Robert Pauritsch, Norbert Adam: Brauchtum in der Steiermark. Feste, Bräuche, Rezepte. Styria Verlag 2007.
    Waltraud Ferrari: Alte Bräuche neu erleben. Fest- und Alltag im Rhythmus der Jahreszeiten. Leopold Stocker Verlag 2014.

    Für einen guten Rutsch ins neue Jahr

    Silvester und Neujahr

    Wussten Sie, dass die buntleuchtenden Feuerwerke als Silvestertradition im vorchristlichen Brauchtum wurzeln? Schon die Germanen haben den Jahreswechsel mit Lärmen und Krachen begrüßt, um böse Geister zu vertreiben. Heute wünscht man sich Glück – mit Symbolen wie Rauchfangkehrer-Figuren, kleinen Hufeisen, Münzen und Kleeblättern. Viele Glücksbringer werden selbst gebastelt und an die Lieben verschenkt. 

    Interessant: Hufeisen müssen mit den Enden nach oben aufgehängt werden, damit das aufgefangene Glück nicht herausfallen kann. Vierblättrige Kleeblätter bringen nicht nur aufgrund ihrer Seltenheit, sondern auch durch die Kreuzsymbolik Glück. 

    Von der Kultur- und Genusshauptstadt Graz bis hin zu kleineren Städten in den einzelnen Regionen wird der Jahreswechsel bei diversen Veranstaltungen glanzvoll gefeiert. Höhepunkte sind sicherlich die traditionellen Silvester-Fackelwanderungen in den ländlichen Gebieten, zum Beispiel in Bad Gleichenberg.

    Quellenangabe: Robert Pauritsch, Norbert Adam: Brauchtum in der Steiermark. Feste, Bräuche, Rezepte. Styria Verlag 2007.

    Winterwellness im Rogner Bad Blumau, Thermenland Steiermark | © Steiermark Tourismus | Tom Lamm
    © Steiermark Tourismus | Harry Schiffer
    Das Grüne Herz im Winterkleid, Grundlsee, Ausseerland - Salzkammergut | © Steiermark Tourismus | Tom Lamm

    Fasching

    Wenn Sie an Fasching denken, kommen Ihnen als Erstes köstliche, frische Krapfen in den Sinn? Ob alte Bräuche oder moderne Festzüge: Die Steiermark hat noch einiges mehr an liebgewonnenen Faschingstraditionen zu bieten. Ein alter Fruchtbarkeitsritus ist zum Beispiel das „Blochziehen“, bei dem ein Baumstamm, heut meist mittels Traktor, durch das Dorf gezogen wird. 

    Das Faschingsrennen am Faschingsmontag ist einer der ältesten Bräuche in der Region Murau. Die Schellfaschingsgruppe und die Rossgruppe versammeln sich zum Kreistanz am Dorfplatz und ziehen anschließend von Haus zu Haus. 

    Flinserln beim Ausseer Fasching  | © Steiermark Tourismus | Atelier Jungwirth / Christian Jungwirth
    Pferdeschlitten, Ramsau am Dachstein | © Steiermark Tourismus | Tom Lamm
    Trommelweiber im Ausseer Fasching | © Steiermark Tourismus | photo-austria.at

    Ein Geheimtipp ist außerdem der Fasching im Ausseerland mit Flinserl, Pless und Maschkera. Letztere bezeichnen im Allgemeinen maskierte Gestalten, die auf den Straßen tanzen und dabei Scherze machen. Die Trommelweiber ziehen seit 1767 in weißen Gewändern von früh bis nachmittags mit – wie ihr Name schon vermuten lässt – lautem Getrommel durch die Straßen.

    Als Fastengebäck wird der sogenannte Beigl mitgetragen. Beim Beiglreißen versuchen zwei Personen das Gebäck mit Geschick auseinanderzureißen, um jeweils für sich selbst das größere Stück zu ergattern. Neben dem typischen Faschingskrapfen steht auch der seltenere längliche Stanglkrapfen auf dem kulinarischen Faschingsprogramm.

    Am Faschingsdienstag haben dann die freundlichen und fröhlichen Flinserl ihren großen Auftritt: In bunte, schillernde Gewänder gekleidet, die in Handarbeit gefertigt werden, werfen sie Kindern Nüsse zu. Die Pless stellen den Winter dar. Sie tragen alte, weiße Kleidungsstücke, einen Bienenkorb auf dem Kopf und einen Stock mit einem nassen Tuch in der Hand. Vor dem Gebrüll „Pless, Pless, ...“ sollten sich alle in Acht nehmen, die es nicht riskieren möchten, nass zu werden. 

    Quellenangabe: Robert Pauritsch, Norbert Adam: Brauchtum in der Steiermark. Feste, Bräuche, Rezepte. Styria Verlag 2007.

    Vom Palmbuschen bis zum Osterei

    Ostern

    Auch die christlichen Feiertage um Ostern sind von regionalem Brauchtum bestimmt. Kunstvolle Osterausstellungen, zahlreiche Veranstaltungen und kulinarische Traditionen machen Ostern in der Steiermark zu etwas ganz Besonderem.

    Eingeläutet werden der Frühling und die Osterzeit mit Verzicht, genauer mit der Fastenzeit, die bis Ostersamstag andauert. Am letzten Sonntag vor Ostern, dem Palmsonntag, findet traditionell die Palmweihe statt: Die mit farbenfrohen Bändern verzierten Palmbuschen werden zur Kirche getragen, besonders gern von den Kindern. Häufig sind Palmkatzerl und Buchsbaumzweige eingebunden. In jedem Fall symbolisieren die geweihten Palmbuschen Lebenskraft. 

    Palmbuschen (Palmsonntag) | © Steiermark Tourismus | Atelier Jungwirth / Christian Jungwirth
    der Weihkorb zu Ostern: mit Osterbrot/Pinze, Geselchtem, Würstel, Ostereiern, Kren (Meerrettich), Salz, Wein, Palmbuschen,... | © Steiermark Tourismus | Tom Lamm
    Ostern: Ostereier, Pinzen und Forsythien | © Steiermark Tourismus | Amra Candic

    In der Karwoche, die auf den Palmsonntag folgt, steht die sogenannte Ratsche im Mittelpunkt. Sie ist immaterielles UNESCO-Kulturerbe und vermutlich spätestens im 18. Jahrhundert entstanden. Das Geräusch des Holzinstruments ersetzt von Gründonnerstag bis Ostersonntag das Läuten der Kirchenglocken. Bis zum Karsamstag ziehen Kinder und Jugendliche umher und sammeln Süßigkeiten oder Münzen ein.

    Der Karsamstag steht dann ganz im Zeichen des Feuers. Einerseits beim Weihfeuer-Tragen der Jugendlichen, das Schaden abhalten und Licht und Wärme für das Haus spenden soll. Andererseits bei den traditionellen Osterfeuern. Sie stehen sinnbildlich für das Erlöschen des Alten und die Wiedergeburt des Neuen. 

    Was darf an Ostern natürlich auch nicht fehlen? Na klar, die Ostereier! Mit großer Begeisterung suchen die Kinder sie am Ostersonntag auf den Wiesen. Die (Schokoladen-)Eier verkörpern Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Da der Ostersonntag gleichzeitig des Ende der Fastenzeit bedeutet, stehen Tanzen und Feiern auf dem Programm. Zahlreiche Osterfeste und Ostermärkte in Stadt und Land verzaubern Besucher aus nah und fern. 

    Quellenangabe:
    Robert Pauritsch, Norbert Adam: Brauchtum in der Steiermark. Feste, Bräuche, Rezepte. Styria Verlag 2007.
    Waltraud Ferrari: Alte Bräuche neu erleben. Fest- und Alltag im Rhythmus der Jahreszeiten. Leopold Stocker Verlag 2014.
    Michael J. Greger: Brauch und Jahr. Neue und überlieferte Bräuche im Bezirk Liezen. Verein Schloss Trautenfels 2008.

    Traditionsreiche Höhepunkte im ...

    • ... Frühling: Maibaumaufstellen, Pfingststehlen, Narzissenfest und die südweststeirischen Blumenteppiche
    • ... Sommer: Sonnwendfest, Klapotetz, immaterielles Kulturerbe Samsontragen und moderne Veranstaltungsprogramme rund um den Kulturgenuss im Grünen
    • ... Herbst: Almabtrieb mit Aufkränzen (Schmücken der Tiere) und das Erntedankfest
    • ... Winter: Advent, immaterielles Kulturerbe Öblarner Krampusspiel, Raunächte, Krampus- und Perchtenläufe und Fasching

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