Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
ūüíö-Botschafter

Peter Kraus

Peter Kraus ist ein Ph√§nomen: Der Herzbotschafter, Entertainer, Schlagers√§nger und Schauspieler rockt auch jenseits der 80 die B√ľhnen. Der geb√ľrtige Deutsche mit √∂sterreichischem Pass lebt zwar am Schweizer Lugano-See, sein Herz hat er aber an die Steiermark verloren.

Nahe Gamlitz, oben auf einem Weinberg, steht das schmucke Landhaus zum Krafttanken. Ein Buschenschank-Gespr√§ch √ľber Rock 'n' Roll, Tourismus, Wein- und Auto-Leidenschaft und das steirische Wesen.

Sie sind in M√ľnchen geboren, in Salzburg aufgewachsen, wurden zum Teenager-Idol und zu einem der bekanntesten deutschsprachiger Entertainer und sind am Ende in der S√ľdsteiermark gelandet. Wie kam es dazu?

Das kam eigentlich durch meine Leidenschaft f√ľrs Oldtimer-Ralley-Fahren. Ich bin die S√ľdsteiermark-Classic gefahren, ich bin die Ennstal-Classic gefahren. Ich bin durch diese herrliche Gegend hier ged√ľst und habe am Abend immer meiner Frau vorgeschw√§rmt, wie sch√∂n es hier ist. Und nachdem wir beide immer schon gesagt haben, dass wir im fortgeschrittenen Alter wieder dahingehen sollten, wo man herkommt ‚Äď also nach √Ėsterreich, lag es auf der Hand. Wenn wir hier etwas Sch√∂nes finden, dann schlagen wir zu. Und wir hatten Gl√ľck und haben etwas Sch√∂nes gefunden. Und jetzt sind wir sehr froh dar√ľber.

Glamour am Lugano See im Tessin, Beschaulichkeit am Labitschberg. Macht der Kontrast den Reiz aus? Wo können Sie besonders gut die Seele baumeln lassen?

Der Kontrast ist nat√ľrlich etwas Feines. In Lugano, das ist direkt am See mit italienischem Flair. Italienisches Essen, Rotwein, ich habe dort mein Segelboot, mein Kanu, mit dem ich viel fahre. Es ist einfach eine ganz andere Welt als hier. Hier habe ich die Berge, ich habe die Buschenschenken, ich habe einen herrlichen Wei√üwein. Und ich habe hier viele freundliche und nette Leute. Der Tessiner, der mag eigentlich keine Fremden, das sage ich jetzt ganz ehrlich. Das Gegenteil ist hier. Hier hat man das Gef√ľhl, man wird als Fremder geliebt. Ich zumindest. (lacht).

Sie haben sich in der Steiermark aber schon vorher offensichtlich wohlgef√ľhlt. Als Stammgast der Ennstal-Classic und der Weinkost am Pogusch lernt man Land und Leute relativ gut kennen. Wie ist Ihr Bild von der Steiermark, was macht das Land, was das steirische Wesen aus? Und: Wie w√ľrden Sie die Steiermark einem Blinden erkl√§ren?

Durch den Pogusch und die Rallyes habe ich hier sehr schnell Freunde kennengelernt. Ich sp√ľre einfach hier, dass die Steirer irrsinnig froh und gl√ľcklich sind √ľber die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Und sie wollen das Gl√ľck, das sie in der letzten Zeit hatten, einfach weitergeben an die Menschen. Anders kann ich mir diese Freundlichkeit, welche die Menschen untereinander haben und auch den Besuchern gegen√ľber nicht erkl√§ren. Sie sind stolz und sie m√ľssen auch stolz sein, denn es ist ja wirklich viel passiert. Wie erkl√§rt man die h√ľgelige Landschaft, die ich so liebe, einem Blinden? Schwierige Frage. Die steirische Landschaft ist einmalig, ich w√ľsste nicht, wo es das in einer derart kompakten Form noch g√§be.

Sie sind immer noch fit wie ein Turnschuh. Wie machen Sie das bloß?

Ich glaube, ich habe einen gro√üen Vorteil: Ich habe von Anfang an - ich habe ja mit 13 angefangen, Filme zu machen - Disziplin gezeigt, die ich immer noch habe. Wenn man Karriere machen will, dann muss man gewisse Voraussetzungen erf√ľllen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wenn ich heute mit dickem Bauch auf einem Stuhl bequem auf der B√ľhne sitzen w√ľrde und ‚ÄěSugar Baby‚Äú singe, dass das irgendjemanden interessiert. Ich muss einfach beweglich sein. Das ist im Kopf, das musst du noch machen, und das und das. Und ich mache es ja gerne. Ich bin nicht gedrillt von irgendjemand, schon gar nicht von meiner Frau, die ja gerne h√§tte, dass ich aufh√∂re.

Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
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‚ÄěVon Kontrasten, Gl√ľck und der steirischen Seele...‚Äú

Die S√ľdsteiermark boomt. Dennoch macht man sich in Teilen der Bev√∂lkerung bereits Sorgen √ľber einen √ľberbordenden Tourismus. Es gibt bereits Stimmen, die sagen, die Weinstra√üe darf nicht Kitzb√ľhel werden. Wie sehen Sie das?

Also erst mal w√ľrde ich sagen: Bevor die Steiermark oder die Weinstra√üe Kitzb√ľhel werden, das ist so utopisch, als w√ľrde ich sagen ‚ÄěIch mache noch 100 weitere Abschiedstourneen‚Äú. Was ich meine ist, es muss was weitergehen. Und was ich unter weitergehen meine ist, dass eben mehr als nur die Saison l√§uft. Ganz ehrlich, ich bin Weihnachten gerne hier, weil es wundersch√∂n ist und weil ich die Ruhe und den Frieden genie√üe, aber es muss etwas geschehen, dass die Leute auch au√üerhalb der Saison (gemeint ist der Herbst, Anm.) kommen und auch l√§nger bleiben.

Sie waren hier an einem geplanten Tourismusprojekt beteiligt. Die Bevölkerung hat dazu aber ein ziemlich lautes Nein gesprochen. Macht Sie das traurig, sind Sie verstimmt?

Traurig nicht, verstimmt bin ich ein bisschen, ja, weil ein Teil der Bev√∂lkerung dagegen war, bevor sie √ľberhaupt noch wussten, was wir machen. Und das ist nicht ganz korrekt. Das Projekt ruht.

Wo auch immer Sie hingehen, werden Sie erkannt. Wie begegnen Ihnen die Menschen in der Steiermark, wie wurden Sie in der unmittelbaren Nachbarschaft aufgenommen?

Wahnsinnig freundlich. Und ich freue mich auch dar√ľber, dass die Steirer, wenn ich in den Ort runterfahre, zu mir kommen und sagen, es ist so sch√∂n, dass sie bei uns sind. Dann pl√§rrt wieder eine √ľber die Stra√üe ‚ÄěHey Sugar Baby, servus‚Äú - das ist lustig. In der Schweiz ist das zum Beispiel ganz anders. Da kommt jemand entgegen und schaut mich so linkisch an und wenn er vorbeigeht, h√∂rst du ‚ÄěDas is er‚Ķ ja das is er gewiss, jojo.‚Äú Also hier sind die Leute sehr offen und kommen zu mir und ich sage es ehrlich ‚Äď ich habe es gern, wenn sie mich ansprechen und begr√ľ√üen.

K√∂nnen Sie schon ein bissl s√ľdsteirisch? Haben Sie einen Satz f√ľr uns? Oder k√∂nnen Sie uns sogar eine Liedzeile aus der steirischen Landeshymne vorsingen?

Da bin ich jetzt ehrlich gesagt √ľberfordert, soweit bin ich noch nicht Steirer. Aber ich bin √ľberm√§√üig gl√ľcklich, dass ich meinen Bauern, der bei mir arbeitet und meinen Nachbarn jetzt endlich verstehe und ich wei√ü, was sie von mir wollen.

Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl

Zu ihrem Besitz am Labitschberg gehört auch ein Weingarten, der unter der Regie von Manfred Tement bewirtschaftet wird. Vom Muskateller Ried Labitschberg gibt es jährlich einige tausend Flaschen. Wie viel Peter Kraus steckt im Wein, wie bringen Sie sich ein?

Also der Manfred Tement w√ľrde sagen, ich bringe mich zu wenig ein - und da hat er recht. Die Idee entstand ja, als ich das gekauft habe. Zur selben Zeit habe ich gesagt, so das ist jetzt meine Abschiedstournee. Inzwischen sind es f√ľnf Abschiedstourneen geworden. Ich habe damals wirklich gesagt toll, Bauernhof, hier leben, um den Wein k√ľmmern und das erlernen beim Manfred w√§re nat√ľrlich super gewesen. Aber es ist anders gekommen, es kamen wie gesagt weitere Abschiedstourneen. Also bis ich Weinbauer werde, das wird noch ein bissl dauern.

In den Medien wurden Sie immer als der deutsche Elvis bezeichnet. Hat Sie das geadelt oder eher gestört?

Beides. Also am Anfang war der deutsche Elvis nat√ľrlich eine super Zeile, um die Karriere zu starten. Dann habe ich versucht, das loszuwerden, weil ich wollte ja nie Elvis kopieren. Ich h√§tte das auch nicht gekonnt. Ich habe dann auch andere Titel bekommen, zum Beispiel ‚ÄěSchluckauf-Heini‚Äú oder ‚ÄěHeul-Boy‚Äú und solche Geschichten. Mittlerweile bin ich sehr stolz drauf, als der Mann genannt zu werden, der den Rock 'n' Roll in die deutschsprachigen L√§nder gebracht hat.

Wenn man so lange auf der B√ľhne steht, wird man da nicht auch irgendwann einmal m√ľde von der eigenen Musik? Oder singen Sie ‚ÄěSugar Baby‚Äú immer noch gerne? 

Ich sing es immer noch gerne. Es gibt drei Arten von Liedern, die man auf der B√ľhne singt. Es gibt die, die man aus der Seele, aus dem Herzen heraus gerne singt. Da habe ich so viele. Dann gibt es die Lieder, die neu sind, so wie auf meiner neuen CD. Darauf sind Lieder, die ich auf Platte noch nie gemacht habe, Songs, die aus der Zeit vor dem Rock 'n' Roll stammen, also Sinatra-Songs usw. Diese Platte hei√üt √ľbrigens ‚ÄěIdole‚Äú. Und dann singt man einfach Lieder wie ‚ÄěSugar Baby‚Äú, wo einem einfach das Herz aufgeht, wo ich in die Augen der Leute schau und sehe, wie sie sich freuen. Und denke mir, Mensch, nach 66 Jahren freuen die sich immer noch, das ist ein unglaublicher Gl√ľcksmoment.

 

Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
Peter Kraus | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl

Welche Musik oder welchen Interpreten hören Sie selber gerne?

Diana Krall ist meine absolute Lieblingsinterpretin. Meine aktuelle CD ist auch in ihre Richtung gestaltet. Das hei√üt Swing mit kleiner Besetzung, mit einem Solisten. Also die Zeit wieder heraufbeschw√∂ren, die ich noch erlebt habe als junger Mensch. Du bist in einer Bar, es ist ein kleines Trio da, du hast ein h√ľbsches M√§dchen im Arm und genie√üt einen Wein bei Kerzenschein. Das Gegenteil von dem, was man heute sieht. ‚ÄěWo sind die H√§nde, hoch die H√§nde und rumbumbum‚Äú. Also Swing vom Feinsten und Diana Krall ist die K√∂nigin f√ľr mich.

Wann gehts mit Lederhose außer Haus?

Da muss ich sagen selten, weil ich habe leider keine Lederhosen-Wadln.

Zuletzt: Verraten Sie uns Ihre f√ľnf Lieblingspl√§tze entlang der Weinstra√üe? Und: Zu welcher Jahreszeit sind Sie besonders gerne hier?

Also die Jahreszeit ist nat√ľrlich der Herbst. Wir haben auch die letzten Weihnachten hier verbracht, und ich fand diese Ruhe, diesen Frieden, diese Harmonie wundersch√∂n. Und zur Weinstra√üe: Ich w√ľsste nicht, welche Pl√§tze ich da herausziehen soll. Die Weinstra√üe als solche ist f√ľr mich ein Traum. Ob ich mit dem Fahrrad fahre, zu Fu√ü gehe, ob ich mit dem Oldtimer oder mit dem neuen Auto fahre ‚Äď es ist einfach immer ein neues Bild, das sich in den verschiedenen Jahreszeiten immer wieder ver√§ndert. Es gibt nichts Sch√∂neres, als die Weinstra√üe entlangzufahren. Das liebe ich.

Wordrap

Die Freundlichkeit und das Volkst√ľmliche.

Wer glaubt, etwas zu sein, kann nichts mehr werden.

Zufriedenheit.

Nach wie vor Picasso.

Ich schaue eigentlich nur nach vorne, ungern zur√ľck.

Mein größter Fehler ist, dass ich bei mir keinen finde (lacht).

Ehrlichkeit.

Thaler und Fischwirt.

H√ľhnersuppe.

Schwierig. Es kommt darauf an, wof√ľr man es verwendet. 

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