© Thermenresort Loipersdorf © Thermenresort Loipersdorf
Gottfried Krenn

 Herzgeschichte 05: Ein Leben für die THerme

Neben dem Grünen Herz feiern dieses Jahr auch einige andere steirische Institutionen ihr 50-jähriges Jubiläum. Darunter das Thermenresort Loipersdorf. Hier sprudelte im Jahr 1972 erstmals das wohltuende Thermalwasser aus dem Boden. Einer, der sich vor allem an die Anfangszeiten gut erinnern kann, ist der ehemalige Leiter des Thermenbades Gottfried Krenn. Er hat die turbulente Geschichte der Therme hautnah miterlebt.

32 Jahre lang war Gottfried Krenn für das Thermenresort Loipersdorf im Einsatz - beinahe sein ganzes aktives Berufsleben. Im Rahmen der Herzgeschichten hat der ehemalige Leiter des Thermenbades mit uns über diese ereignisreiche Zeit gesprochen. 

Mit Kanistern zur Quelle 

Können Sie sich noch an ihren allerersten Arbeitstag in Loipersdorf erinnern?

Der erste Arbeitstag war der 2. Juni 1981. Dr. Horst Wagner, damaliger Geschäftsführer und Visionär der ersten Stunde, bot mir die Stelle im Thermenresort Loipersdorf an. Er fragte mich, ob ich im Erlebnisbad helfen möchte, das Schwimmbecken auszugummieren (Anm.: mit blauer Folie auszukleiden). Im Zwei-Schicht-Betrieb halfen Leute aus der Umgebung mit, denen Arbeit gegeben wurde.

Man muss sich die Gegend rund um die erste Bohrung so vorstellen: Hier standen vier Bauernhöfe, nur ein geschotterter Wanderweg führte hierher. 1972 wurde gebohrt, in der Hoffnung, Erdöl zu finden. Man fand am Binderberg jedoch heißes Wasser mit einer einzigartig hohen Konzentration an Mineralstoffen. Direkt neben dem ersten Bohrplatz, quasi in der Scheune des Bauernhauses Griesbacher, wurde ein 3x4 m großes Betonbecken „errichtet“, in das das Thermalwasser geleitet wurde. Die Menschen „pilgerten“ hierher, um in dem Wasser zu baden, oder – weil es teilweise zu voll war – zu stehen. Das Wasser wurde aus der Quelle mit ca. 60°C direkt in das Betonbecken geleitet. Das war ziemlich heiß, die Haut war „brennrot“ wie man bei uns so sagt, aber die Menschen blieben drinnen.

Die wohltuende Wirkung sprach sich rasch herum und so kamen Menschen aus der Umgebung sogar mit Kanistern zur Quelle, füllten diese, nahmen das Wasser mit nach Hause und befüllten ihre Badewannen daheim. Rücksitze wurden bei den Autos ausgebaut, damit mehr Kanister Platz hatten usw.. Also man kann behaupten, es gab einen richtigen Hype um das einzigartige Quell-Thermalwasser.

Wie kam es dazu, dass sie Bademeister wurden?

Im Herbst 1981 war die erste Teileröffnung des Thermenbad-Außenbeckens. Ich übernahm den Job des Bademeisters. Zu Weihnachten 1981 übernahm ich die Thermenbadleitung. Zu dieser Zeit war ich fast rund um die Uhr da: Von 6 – 14 Uhr Erlebnisbad gummieren, 14 – 22 Uhr Bademeister Thermenbad und ab 22 Uhr machte ich in der angrenzenden Tennishalle Schlussdienst. Ich war 7 Tage die Woche vor Ort. Im Sommer 1982 wurde dann das Erlebnisbad eröffnet. Für mich gab es keine Freizeit ­- Ich hatte nach zehn Dienstjahren in der Therme meinen ersten Urlaub.

Ursprünglich wollte man bei der ersten Bohrung 1972 Erdöl finden. | © Thermenresort Loipersdorf
Ein Betonbecken dienste als erste Bademöglichkeit in der Therme Loipersdorf | © Thermenresort Loipersdorf

Wiederaufbau und NEubeginn

An welche Momente denken Sie heute besonders gerne zurück?

Der beeindruckendste Moment war für mich, als die Therme nach dem katastrophalen Brand wieder im vollen Glanz dastand und wieder eröffnet wurde. Und jedes Jahr der 24.12.: An diesem Tag war die Therme immer geschlossen, niemand im Haus. Gegen Mittag holte ich meine Kinder zu Hause ab, und wir fuhren in die Therme baden – nur ich mit meinen Kindern, ganz alleine, wir hatten das gesamte Areal für uns. Es waren unvergessliche Momente, an die sich meine Kinder heute noch erinnern. Danach fuhren wir dann immer nach Hause, wo das Christkind schon mit Geschenken wartete.

Wie hat sich ihre Arbeit im Laufe der Jahre verändert? 

Ich durfte in meiner Zeit in der Therme verschiedenste Aufgabengebiete innehaben, hauptsächlich aber den Badebetrieb. Es hat sich vieles geändert. In den Anfangszeiten notierten wir alles auf Zetteln; die Kassa bestand aus zwei Tischen mit einer Registrierkassa. Wir hatten so viele Gäste, dass wir die Tische festhalten mussten, um nicht weggeschoben zu werden. Der Ansturm auf das Thermenresort Loipersdorf war enorm. Ich hatte dann auch die EDV inne, in diesem Bereich tat sich natürlich unglaublich viel. Die Therme war für mich immer etwas ganz Besonderes. Man konnte hier so viel bewegen, ich habe überall wo Not am Mann war, Hand angelegt. Ich war streng, aber gerecht und sehr gut organisiert. Ich habe mit und für die Therme gelebt.

Vielen Dank für das spannende Gespräch! 

Nur kurze Zeit nach dem Brand wurde mit dem Wiederaufbau der Therme begonnen. | © Thermenresort Loipersdorf
Am 29.9.1985 wurde die Therme wieder eröffnet. | © Thermenresort Loipersdorf
Das Schaffelbad im Jahr 1996 | © Thermenresort Loipersdorf

Das Thermalwasser sprudelt weiter 

Das 50-jährige Jubiläum des Thermenresorts Loipersdorf ist aber nur ein Meilenstein in der Geschichte der Region: Im vergangenen Herbst wurde eine vierte Quelle in unmittelbarer Nähe erschlossen. Bereits dieses Jahr sollen die Gäste nun auch im Wasser aus dem Rehgraben baden können. Damit ist der Thermenbetrieb mit dem hochwertigen Heilwasser auch für nachfolgende Generationen gesichert! 

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