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NOT FOR SALE, NO MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS. | Armin Walcher © Photo by Armin Walcher
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Erwin Petz

 Herzgeschichte 04: Ein Innovator mit Herz

Riesneralm!? Psst, ein Geheimtipp … hat man wohl schon des Öfteren gehört. Aber so geheim ist die Riesneralm im Donnersbachtal gar nicht mehr. Und wer ist daran „schuld“? Erwin Petz sein Name, ein regionales Urgestein, der sein (grünes) Herz am rechten Fleck trägt.

Wie so viele Talschaften im Alpenraum war auch das Donnersbachtal bis vor einigen Jahrzehnten noch von Land- und Forstwirtschaft und –wie in diesem Fall – vom Bergbau geprägt. Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert wurde hier vor allem Gold, Silber, Zink, Blei abgebaut. Vor rund 50 Jahren starteten jedoch die ersten Pioniere das „Projekt Riesneralm“. Damit legten sie den Grundstein für eine aus heutiger Sicht äußerst erfolgreiche Entwicklung des ganzen Tales, das unter anderem auch das Skigebiet Planneralm beheimatet und teil der Urlaubsregion Schladming-Dachstein ist.

Die letzten 18 Jahre hat Erwin Petz als Geschäftsführer und Marketingleiter die Riesneralm so ausgerichtet, dass mit innovativen Ideen und Investitionen eine klare Positionierung als qualitativ hochwertiges Nischenprodukt gelungen ist. Er begab sich bewusst nicht in den Wettbewerb mit großen Skischaukeln. Er wollte geerdet bleiben, die Einheimischen mitnehmen und … baute ebenfalls eine Skischaukel: aber eine für Kinder! Die 1. österreichische Kinderskischaukel ist größenmäßig zu vergleichen mit 7 Fußballstadien. Auf 5 verschiedenen Abfahrten sowie 5 Liftanlagen können die Kleinsten aber auch die erwachsenen Anfänger ungestört ihre ersten Schwünge in den Schnee setzen. Schritt für Schritt wurde ins Skigebiet investiert und so bietet die Riesneralm heute mit 32 Pistenkilometern das perfekte Skivergnügen abseits des großen Trubels.

Wir baten den innovativen Geist Erwin Petz zum Interview.

Innovation & Tradition

Erwin, Innovation & Tradition – das sind Schlagwörter, die gerne verwendet werden, um die Steiermark zu beschreiben. Treffen diese auch auf den Menschen Erwin Petz zu?

Nachdem ich auch lange Zeit Bürgermeister war, bin ich Titel gewöhnt (lacht). Aber ja, diese beiden Begriffe habe ich schon öfter gehört, wenn man mein Wirken beschrieben hat. Innovationen treibe ich mit Herzblut voran, da ich hier auch die einzige Chance sehe, dass sich die Riesneralm von anderen Skigebieten abhebt. Aber auch Traditionen lebe ich gerne auf allen Ebenen. Beispielsweise hat es schon lange Tradition, dass wir versuchen, unser Team aus Einheimischen zusammenzustellen. Wobei für den Begriff „Einheimischer“ auch die Bevölkerung der näheren Umgebung zählt, nicht nur Donnersbachwald. Für viele Mitarbeiter ist dies der ideale Arbeitsplatz als Nebenerwerb zur Landwirtschaft, welche wiederum für uns zur nachhaltigen Tourismusentwicklung enorm wichtig ist. Viele davon kenne ich schon von Kindheit an und umgekehrt: sie kennen mich von Kindesbeinen an. Da spürt man schon eine besondere Verbundenheit, die bis zu ihren Familien reicht. Als Ausgleich zur Arbeit und zum Sport greife ich aber auch gerne mal zur Klarinette und spiele mit Freunden ordentlich auf.

Auszeichnungen & Projekte

Als erstes Skigebiet in der Steiermark habt Ihr euch auch vor vielen Jahren den internationalen Prüfern des „Skiarea-Tests“ gestellt. Die Auszeichnungen „Aufsteiger des Jahres“, „Gold für das beste Kinderangebot“ oder das „Internationale Pistengütesiegel“ zeigen, dass ihr euch nicht verstecken müsst. Zudem wurdest du im Jahr 2012 zum „Seilbahner des Jahres“ gekürt. Eine Bestätigung für deine Arbeit?

Eine Bestätigung für unsere Arbeit, denn wir sind ein starkes Team mit echt steirischen Eigenschaften. Das reicht von der Herzlichkeit bis zu einem gewissen Maß an Sturköpfigkeit, die man braucht, um Ideen auch umzusetzen. Innovative Ideen sind ja vom Anfang von Zweiflern begleitet und da braucht man diese Hartnäckigkeit, wenn man nicht auf halber Strecke stehenbleiben will. Noch dazu, wenn man finanziell nicht aus dem Vollem schöpfen kann.

Das letzte Großprojekt war das „Gipfelbad anno dazumal“ direkt beim Hochsitz, dem wunderschön gelegenen Bergrestaurant, einem zentralen  Treffpunkt im Skigebiet. Wie kommt man eigentlich zu solch originellen Ideen auf 1.900 m Seehöhe ein Bad zu bauen?

Das kann ich nicht wirklich erklären. Aber speziell meine Urlaube werden zum Leidwesen meiner Frau immer zur Denkfabrik. Speziell meine Hobbies wie Skitourengehen oder Bergsteigen waren die Grundlage, bei denen mir oft die besten Ideen einfielen. Beim Gipfelbad war eine meiner Antriebsfedern aber sicherlich ein Holzschwimmbad im Ort Donnersbachwald und ein Schwimmbad auf der Jagdhütte in Siebenhütten, wo mein Vater Jäger war.  Beide waren in der Erde versenkt und mit Holz ausgekleidet. Ein Brief des damaligen Pfarrers, der dieses Schwimmbad als sittenwidrig in der Gemeindeverwaltung anprangerte, hat auch das seine dazu beigetragen und ist heute beim Gipfelbad nachzulesen. Diese Kindheitserinnerung habe ich nun umgesetzt und vom „Gipfelbad anno dazumal“ mit einem 360° Panoramablick sind unsere Sommergäste wirklich irrsinnig begeistert.

Tourismus & Nachhaltigkeit

Wie du aufgewachsen bist, zeigt sich auch darin, dass Nachhaltigkeit für dich nicht nur ein Schlagwort ist, sondern auch mit Leben erfüllt wird... 

Ohne Tourismus wäre Donnersbachwald ein aussterbendes Seitental des Ennstales ohne Perspektiven für die Bevölkerung. Dass Nachhaltigkeit für uns zum Selbstverständnis gehört, haben uns schon unsere Eltern und Großeltern vorgelebt. In der Land- und Forstwirtschaft muss man nachhaltig denken, sonst gibt es kein Überleben. Das haben wir uns auch im Tourismus zu Herzen genommen und beispielsweise mit dem Bau unseres E-Werks den Grundstein für die Zukunft der Riesneralm gelegt. Mit diesem sogenannten Beschneiungs E-Werk erzeugen wir zuerst Strom und lassen Sekunden später das Wasser direkt in die Bescneiungsanlage fließen, um dort Schnee zu erzeugen. Zudem dient etwa die Hälfte der rund 6 GWh Ökostrom-Jahreserzeugung, die vom Wasserkraftwerk im Verbund mit dem Kraftwerk Hinterwald geliefert werden, zur Eigenbedarfsdeckung der kompletten technisch-touristischen Infrastruktur des Skigebiets. Der Überschussstrom wird ins öffentliche Netz eingespeist und verschafft der Riesneralm somit ein beständiges Zusatzeinkommen.

In diesem Sinne: auf weitere 50 Jahre Grünes Herz und erfolgreiche Winter- und Sommersaisonen mit deinem Team. Danke für das Interview!

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