Claudia Rossbacher | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl Claudia Rossbacher | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
💚-Botschafterin

Claudia Rossbacher

Die Herzbotschafterin ist so steirisch, dass sich die gebĂŒrtigen SteirerInnen ranhalten mĂŒssen. Claudia Rossbacher, die erfolgreichste Krimiautorin der Republik – 13 Steirerkrimis gibt es bisher aus ihrer Feder, einige auch verfilmt – liebt ihre Wahlheimat mit jeder Faser.

Das spĂŒrt man im GesprĂ€ch, dass wir mit ihr am Hauptwohnsitz, dem beschaulichen Schloss Kainberg bei Kumberg, fĂŒhren durften. FĂŒr die gebĂŒrtige Wienerin ist die Steiermark das vielseitigste der BundeslĂ€nder – vom Gletscher zum Wein – mit den freundlichsten Bewohnern.

Frau Rossbacher, der deutschsprachige Raum kennt Sie als originelle, sehr kreative Vielschreiberin – 13 Steirerkrimis gibt‘s bisher – dĂŒrfen wir um eine kurze Selbstbeschreibung bitten?

Neugierig, friedlich – man glaubt es kaum, aber ja, das Krimischreiben ist ja mein Ventil. Wenn mich jemand richtig nervt, bĂŒĂŸt er es schlimmstenfalls fiktiv. Und so morde ich mich immer weiter durch die Steiermark. Aber nicht, weil ich die Steirer nicht mag, sondern ganz im Gegenteil, weil ich sie mag. Schlussendlich haben mich die Steirerkrimis dann ja auch fix von Wien in die Steiermark gefĂŒhrt.

Warum spielen Ihre Romane hauptsÀchlich in der Steiermark? Sie haben in den schillerndsten Metropolen der Welt gelebt. WÀre nicht das MondÀne noch sehr viel knackiger gewesen?

Es gibt zwei sehr mondĂ€ne Thriller von mir – meine ersten beiden Werke – „Hillarys Blut“ und „Drehschluss“ –, die in der Karibik bzw. auf Mallorca spielen. Doch darauf hat die Welt nicht gewartet. Die BĂŒcher sind zwar erschienen und haben auch einige KĂ€ufer gefunden, aber fĂŒr die Bestsellerlisten hat es nicht gereicht. Doch dann kamen die Steirerkrimis. Und sie kamen, weil mich die berĂŒhmte Muse in einer schlaflosen Nacht gekĂŒsst hat. Eine Frau ist durch meinen Kopf gelaufen. Eine nackte Frau, die durch den Wald gerannt ist, um vor ihrem Mörder zu fliehen. Was ihr Gott sei Dank nicht geglĂŒckt ist. Ich bin aufgestanden, weil ich einen Prolog im Kopf hatte. Und ich habe ihn zum GlĂŒck gleich niedergeschrieben, denn sonst gĂ€be es keine Steirerkrimis. Am nĂ€chsten Tag habe ich ĂŒberlegt, wo denn dieser Tatort im Wald liegen könnte. Den Wienerwald habe ich ausgeschlossen, obwohl ich dort frĂŒher immer sehr gerne mit meinem Hund umhergestreift bin. Aber ich wollte keine Wien-Krimis schreiben. Dann habe ich mich meiner Kindheit besonnen. Im Ferienlager am Reinischkogel ist bei mir schon frĂŒh eine emotionale Bindung zur Steiermark und zum Wald entstanden. Mein Mann ist Steirer und hat Familie hier. Und nicht zuletzt ist die Steiermark auch das waldreichste Bundesland. Die Entscheidung war also gefallen, und ich habe sie nie bereut. TatsĂ€chlich wollten dann gleich vier Verlage das Buch veröffentlichen. Als „Steirerblut“ erschienen ist, haben der Buchhandel und die Leserinnen und Leser begeistert zugegriffen und ich hatte meinen ersten Bestseller-Erfolg. So hat alles begonnen.

Wie recherchieren Sie die regionalen Besonderheiten? Im „Steirertanz“ etwa ist mir besonders aufgefallen, dass sie sehr zeitkritisch etwa Bodenversiegelung, Bauboom und touristisches Gewinnstreben anprangern.

Zuerst einmal entscheide ich mich fĂŒr eine Region. Dann recherchiere ich die Themen, die die Menschen dort beschĂ€ftigen. Es ist ja ein Unterschied, ob du in der SĂŒdsteiermark, in Schladming oder in Bad Aussee lebst. Ich schreibe zeitgenössische Krimis, daher ist es mir sehr wichtig, dass ich auch unsere Zeit darin einfange. Meine BĂŒcher sind Zeitdokumente, in denen man auch spĂ€ter noch nachlesen wird können, dass damals Corona, eine Energiekrise oder was auch immer war. So fiktiv meine KriminalfĂ€lle sind, so realistisch möchte ich das Rundherum zeichnen. Meine Krimis sollen nicht irgendwo spielen können, sie sollen nicht einfach nach Tirol versetzt werden können, das funktioniert nicht. Es ist wirklich jede Geschichte auf die jeweilige Region zugeschnitten. Mir ist es auch ganz wichtig, dass sich die Einheimischen damit identifizieren können, denn nur dann sind die Krimis authentisch. NatĂŒrlich gibt es auch immer wieder Kritiker meiner Werke, aber bisher haben sich noch alle gefreut, wenn ich einen Tatort in ihrer Region angesiedelt habe. Ich bekomme auch immer wieder E-Mails von Leuten, die sich einen Steirerkrimi in ihrer Gemeinde wĂŒnschen, aber ich suche mir die SchauplĂ€tze schon selbst aus. Die Orte mĂŒssen etwas Besonderes haben, das mich zu einer Geschichte inspiriert, und so reizvoll sein, dass ich mich die nĂ€chsten Monate zumindest gedanklich dort aufhalten möchte.

Claudia Rossbacher | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
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„Nicht nur die Wiener, alle Österreicher mögen die Steirer.“

Never change a winning project, aber juckt es Sie nicht ab und an etwas ganz anderes zu machen, literarisch gesehen?

Das Anders-Machen habe ich wie gesagt schon mit meinen Thrillern abgehakt. Außerdem schreibe ich zwischendurch auch ReisebĂŒcher mit Steiermark-Bezug. Im FrĂŒhjahr 2023 sind meine „LieblingsplĂ€tze in der Steiermark“ erschienen. Und 2019 habe ich gemeinsam mit Sabine Flieser-Just, damals noch PrĂ€sidentin des steirischen Sommelier-Vereins, die „Genuss-Spur Steiermark“ mit vielen kulinarischen Tipps und Rezepten veröffentlicht. Ich esse und trinke sehr gerne. Auch deshalb lebe ich in der Steiermark.

Sie sind bei Ihren Recherchen viel im Land unterwegs, kennen die Steiermark besser als viele Einheimische. Was ist gut, was ist nicht so gut, wo können wir besser werden?

Was ist gut am Land? Da wĂŒsste ich jetzt gar nicht, wo ich anfangen und wo ich aufhören soll. Ich habe mir die Steiermark ja selbst ausgesucht und lebe freiwillig hier als bekennende Wahlsteirerin. Besonders gut gefĂ€llt mir die vielgepriesene Herzlichkeit der Steirer. Die AusprĂ€gung variiert zwar von Region zu Region, aber grundsĂ€tzlich trifft es schon zu, dass die Steirer ausgesprochen herzliche Leute sind, die anpacken können und fleißig sind. Sie können aber auch sehr gut feiern. Ich mag auch, dass sie mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg halten und sich nicht einschleimen, aber hinterrĂŒcks schimpfen. Zumindest empfinde ich es so. Ausnahmen gibt es natĂŒrlich immer. Aber von der MentalitĂ€t her sind mir die Steirer schon sehr, sehr nahe. Besser machen könnte man immer etwas.  Die Bodenversiegelung ist zum Beispiel ein großes Thema, insbesondere in diesem Land, da muss man etwas tun. Und es gibt einige andere Themen, dich ich dann in meine Krimis einbaue, wenn sie in die Region passen.  Aber ich könnte jetzt nicht sagen, dass mich etwas an der Steiermark stört. Mir ist jedenfalls noch nichts untergekommen.

Wenn Sie Freunden die Steiermark beschreiben mĂŒssten, wie wĂŒrden Sie es anlegen?

Ich wĂŒrde sagen, das ist ein wunderschönes, sehr vielseitiges Bundesland. Das vielseitigste in Österreich, es heißt ja nicht umsonst vom Gletscher zum Wein. Die Landschaften sind völlig unterschiedlich. Und dann bin ich schon wieder bei der Herzlichkeit der Leute, Kulinarik und beim Wein. Die hohen Berge sind fĂŒr mich persönlich weniger reizvoll, ich bin nicht so der Bergfex und auch keine Wintersportlerin mehr. Aber wer Berge liebt, der findet sie hier. DafĂŒr mag ich die lieblichen Landschaften, die WeinhĂŒgel und den Wald. Das ist meins. Und ich liebe es, bĂ€uerliche Produkte aus der Region oft auch direkt beim Bauern kaufen zu können. Das ist in Wien kaum möglich. Die Landwirtschaft, die Bauern und ihre Produkte gehören fĂŒr mich zur steirischen LebensqualitĂ€t.

Was wĂŒrden Sie Menschen zeigen, die noch nie in der Steiermark waren?

Ich wĂŒrde ihnen zuerst einmal die SĂŒd- und Weststeiermark zeigen. Die Weinregionen eben. NatĂŒrlich auch Graz als Stadt, die ich wirklich sehr gerne mag. FĂŒr mich hat Graz die perfekte GrĂ¶ĂŸe, grĂ¶ĂŸer muss eine Stadt nicht sein. Wien ist ein solcher Moloch geworden! Ich darf das sagen, ich bin ja gebĂŒrtige Wienerin. Graz hat noch diesen Charme, dass jeder jeden kennt. In der Steiermark kennt man immer jemanden, der einem weiterhelfen kann, wenn man etwas braucht. Ich bin gerne von der großen weiten Welt hierhergezogen und wurde herzlich aufgenommen. Es hĂ€tte ja auch sein können, dass die Steirer sagen, eine Wienerin kann doch keine Steirerkrimis schreiben. Das Gegenteil war der Fall, dafĂŒr bin ich sehr dankbar. 

Claudia Rossbacher | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
Claudia Rossbacher | © Steiermark Tourismus | Jesse Streibl
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Wein ist ein fixer Bestandteil Ihres literarischen Werks, haben Sie schon einmal daran gedacht, selber Wein zu machen?

Ich kann mir gut vorstellen, eines Tages Wein zu machen. Aber nicht alleine. Das könnte durchaus noch einmal ein Zukunftsprojekt von mir werden. Ich schließe nichts aus.

Wie ist ihr persönlicher Zugang zum Wein, was wird getrunken, zu welchen AnlĂ€ssen? 

Zu regelmĂ€ĂŸig, wĂŒrde der Arzt sagen. Also zumindest nicht in homöopathischen Dosen. Ich hoffe, ich bin keine Alkoholikerin. (lacht) Nein. Ich habe einiges von der Expertise meiner Freundin Sabine Flieser-Just gelernt, die Jahre lang die PrĂ€sidentin des steirischen Sommelier-Vereins war. Wenn wir zusammen essen gehen, lasse ich immer sie die Weine aussuchen. Und da passiert dann viel Spannendes, was ich noch nicht gekannt habe. Am meisten hat sich mein Horizont bei der Recherche fĂŒr „Steirerrausch“ erweitert, damals bin ich in die Welt der biodynamischen Weine eingetaucht. Aber es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Die jungen steirischen Weinbauern finde ich großartig. Sie sind wahnsinnig kreativ, packen an und sind dabei, den Wein noch einmal neu zu erfinden.

Was oder wer ist ihr Weinfavorit? 

Ich mag Riesling aus dem Sausal sehr, sehr gerne. Und Grauburgunder aus Straden. Nicht zu vergessen den Schilcher, der sich wahnsinnig gewandelt hat. Der Wein muss halt passen, zum Essen, zur Laune und Stimmung.

Sie haben Tourismusmanagement studiert. Welches Konzept wĂŒrden Sie der SĂŒdsteiermark empfehlen? Oder besser gesagt: verordnen?

Das ist schwierig. Ich glaube, gerade der SĂŒden der Steiermark ist eh schon wahnsinnig bekannt. Diese Region hat eher das Problem zu vieler Touristen zu den Spitzenzeiten. Man sollte sich vielleicht auch noch andere Standbeine fĂŒr die Zwischensaisonen suchen. Im Winter ist ja fast alles hochgeklappt. Aber ich finde es reicht, die SĂŒdsteiermark ist gut versorgt mit Touristen. Ich wĂŒrde mir auch nicht wĂŒnschen, dass die Steiermark so ĂŒberrannt wird, dass man sich nicht mehr wohlfĂŒhlen kann. Das will doch keiner. Hier ist FingerspitzengefĂŒhl gefragt. Es ist aber von Region zu Region sehr unterschiedlich. Man kann das Schilcherland mit der SĂŒdsteiermark nicht wirklich vergleichen. Die gehören touristisch jetzt zwar zusammen, aber es sind doch zwei unterschiedliche Regionen, die ganz andere Voraussetzungen und Bedingungen haben.

Die Steiermark ist die bevorzugte Urlaubsdestination der Wiener, speziell die Weingegend gilt fĂŒr die Wiener Feinspitze als Hot Spot. Als gebĂŒrtige Wienerin mĂŒssen Sie es wissen: Wie ist generell der Blick der Menschen aus der Bundeshauptstadt auf die Steiermark? Und warum mögen die Wiener die Steirer?

Ich glaube, dass nicht nur die Wiener die Steirer mögen, sondern alle die sie kennen. Ich weiß von Lesungen, die ich ja in ganz Österreich (und auch in Deutschland) halte, dass fast jeder Österreicher einen Bezug zur Steiermark hat. Man kennt das Land vom Urlaub, vom Skifahren in Schladming oder am Kreischberg, von Weinreisen in der SĂŒdsteiermark oder von Wellnessaufenthalten in den steirischen Thermen. Viele haben hier auch Verwandte, die Steirer sind ja ĂŒber alle BundeslĂ€nder verstreut. Die Steirer in Wien bilden bekanntlich die zweitgrĂ¶ĂŸte steirische Stadt nach Graz. Es lĂ€uft halt immer wieder auf die Herzlichkeit hinaus, die es einem leicht macht, sich hier ganz besonders wohlzufĂŒhlen. Und das hĂ€ngt eben mit den Menschen zusammen.

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Steirerkrimis – what else?

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