Aglaia Szyszkowitz | © STG | Christian Jauschowetz Aglaia Szyszkowitz | © STG | Christian Jauschowetz
💚-Botschafter

Aglaia Szyszkowitz

Auch wenn der Job (und die Liebe) sie ins Ausland, Hauptwohnsitz München, transferiert hat, ist sie im Herzen Steirerin geblieben. Aglaia Szyszkowitz, Schauspielstar aus Graz hat eine innige Bindung zu Land und Leuten. Die Herzlich- und Freundlichkeit, die gäbe es nur hier. Vom Hochschwab bis zu den sanften Hügeln der Süd- und Oststeiermark singt die Herzbotschafterin das hohe Lied der Heimatliebe.

Wenn ich so durch die TV-Programme zappe, sind sie ja in fast jedem Sender präsent. Arbeitssüchtig?

Ja, ich würde sagen, ich bin arbeitssüchtig. Ich arbeite einfach wahnsinnig gerne, dass ich, wenn ich ein gutes Angebot kriege, nicht nein sagen kann. Es muss ein gutes Buch sein, es muss ein guter Regisseur sein, es müssen gute Partner sein. Es muss eine Figur sein, der ich etwas Neues abgewinnen kann. Und wenn dann noch der Fall ist, dass es in Österreich ist, wo es viel lustiger ist zu drehen als in Deutschland, dann bin ich dabei.

Sie haben mit vielen Großen gedreht, John Malkovich etwa, gibt´s einen Lieblingskollegen/eine Lieblingskollegin?

Der John war schon ein Highlight. Ich glaube, wenn jemand eine wirkliche Größe hat, dann muss er überhaupt nicht mehr betonen, wie wichtig er ist. So habe ich das erlebt. Und der John ist mir wirklich in einer Art und Weise begegnet, die mir so viel Platz gelassen hat, zu agieren. Der hat sich eigentlich zurückgelehnt und mir zugeschaut. Und das ist totaler Luxus, wenn du arbeitest. In Österreich würde ich wahnsinnig gerne mit der Adele Neuhauser etwas machen.

Gibt es eine Rolle des Lebens?

Nein, die gibt es nicht. Ich hätte gerne bei den Sissi-Verfilmungen mitgemacht, da ich Historisches gerne mag. Ich würde gerne in ein anderes Jahrhundert springen und dort eine Figur spielen. Da bin ich gerade am Recherchieren, um einen Vorschlag zu machen. Ich finde, wenn Du komplett auch in deinem Äußeren dein momentanes Sein verlässt – eine andere Frisur hast, ein anderes Kleid hast, eine andere Sprache sprichst, einen anderen Gang hast - das hilft schon mal sehr. Der Kern der Schauspielerei ist ja die Verwandlung. Ich finde, nur wenn man sich verwandeln kann, ist man auch ein guter Schauspieler, eine gute Schauspielerin. Und ich würde gerne mehr in andere Zeiten springen. 

Sie leben in München, wie sehr sind Sie tatsächlich noch mit Graz und der Steiermark verbunden?

Sehr tief. Und jetzt im reifer werden wird mir das wieder bewusster, wie sehr ich einfach auch an der Stadt und am Land hänge. Meine Eltern leben ja beide hier, deshalb komme ich sowieso regemäßig her. Aber ich merke auch so, ich bin immer irgendwie anders, wenn ich da bin. Ich erinnere mich dann an früher und treffe die Leute von früher wieder. Ich bin irgendwie anders drauf. Momentan merke ich, es schießt irgendwie so von ganz früher so eine Urkraft in mich, wenn ich herkomme. Das tut mir gut und deswegen komme ich auch oft.

Das klingt ja sehr nach Heimatverbundenheit. Aber Heimat ist ja auch so ein Begriff, der ein bissl Geruch hat. Wie würden Sie den Begriff definieren?

Heimat ist dort, wo die Menschen leben, die ich liebe. Heimat ist für mich ein Platz, wo ich mich hinsetzen und wo ich sitzenbleiben kann. Dass ich mich wo hinsetze und dort ausatme und in Ruhe sitzen bleiben kann, ohne dass ich das Gefühl habe, dass ich irgendwo etwas verpasse. Das ist für mich Heimat.

Aglaia Szyszkowitz | © STG | Christian Jauschowetz
Aglaia Szyszkowitz | © STG | Steiermark Tourismus
Aglaia Szyszkowitz | © STG | Steiermark Tourismus
„Die Steiermark hat alles, was man braucht – ist aber nicht verbraucht!“

Was mögen Sie denn ganz besonders an der Steiermark?

Ich liebe die steirische Küche. Ich bin so ein Käferbohnen-Fan, ich nehme mir die auch immer nach München mit. Ich schätze die Maroni, die hier anders gebraten werden als in München. Irgendwie sind die angebrannter, die schmecken einfach anders hier. Ich liebe den steirischen Wein. Ich liebe die steirische Fleischküche. Das wird hier auch anders zubereitet als in Bayern. Dann liebe ich die Ruhe. Hier kommt man viel besser zur Ruhe, weil es einfach stiller ist. Du hast viele einsame Ecken, Almen, Wälder – man kann wahnsinnig gut wandern. Für mich ist es so ein entlegenes Winkerl. Das kann man vielleicht jemanden, der hier arbeitet, nicht sagen, für den ist es wahrscheinlich ein Quatsch. Aber für mich, die ich aus Bayern hierherkomme, hat es so eine Ruhe. Und diese ruhigen Wälder, diese Buschenschanken und Gasthäuser oder auch Kirchen und Marterl – du hast hier die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Das liebe ich sehr an der Steiermark. Und ich liebe es, dass es eine Grenzregion ist. Ich finde es schön, dass wir hier die Grenzen zu Slowenien und Ungarn haben. Du hast hier das Gefühl, mitten im Herzen Europas zu sein. Man ist schnell am Balkan, man ist so am Sprung nach Südeuropa, was für mich mit größerer Lebensfreude und Sinnlichkeit verbunden ist. Das mag ich auch sehr.

Eine unserer - zugegeben schwierigen - Standardfragen: Wie würden Sie einem Blinden die Steiermark beschreiben?

Also ich würde ihn bitten, sich erst einmal hinzusetzen und sich zuerst einmal einen steirischen Wein einschenken zu lassen und den zu schmecken. Dann einen steirischen Kernöl-Salat zu essen. Da kriegt er schon einmal eine Ahnung von der Steiermark. Dann würde ich ihm sagen, dass er hier spazieren gehen und die Natur erleben sollte. Ich würde ihm ein herbstliches Kürbisfeld beschreiben, wo die Kürbisse noch so einzeln vor sich hin warten, bis sie geerntet werden. Ich war da letztens mit der Steiermark-Schau in Bad Radkersburg. Das hat so eine unglaubliche Ruhe. Ich würde ihm sagen, dass man hier viel ursprüngliche Natur erleben kann. Man kann die Natur noch erlauschen, da es hier nicht so viele Seilbahnen gibt wie in anderen Ländern. Ich würde ihn nach Graz einladen und ihm die Renaissance-Innenhöfe beschreiben.

Wenn Sie einmal hier sind, wo gehen Sie besonders gerne hin, was unternehmen Sie?

Also besonders gern beim Café Rosenhain, wo man den Blick über die Stadt hat. Mein Elternhaus ist ja am Fuße des Rosenberges. Ich finde diesen Blick über Graz wenn die Sonne untergeht besonders schön. Ich bin auch gerne am Schöckl, mein Vater hat uns immer die Trasse raufgehetzt. Beim Stubenberghaus wurde dann etwas getrunken. Ich mag total gerne diese steile Treppe auf den Schlossberg - den Franzosensteig. Den Blick vom Uhrturm auf diese alten Dächer finde ich wahnsinnig schön. Ich gehe auch gerne ins Café Promenade, schaue wir so auf die Burg, das Burgtor und zum Stadtpark. Im Park war ich schon mit meinem Großvater Eichkatzerl füttern.

Fünf Lieblingsplätze in der Steiermark, die Sie Ihren Freunden empfehlen würden?

Ich würde mit ihnen natürlich an die südsteirische Weinstraße fahren und einen guten Weißburgunder trinken. Starten würde ich mit einem Brut Rosé von Polz, in dem könnte ich baden. Dann würde ich ihnen die Grenze zu Slowenien, wo man so rüber hüpfen kann, zeigen. Dann nach Altaussee, da drehen wir ja jedes Jahr für Servus TV. Da wandere ich mit ihnen eine Runde um den Altausseer-See. Dann ins Ennstal, wir waren als Kinder immer in Donnersbachwald. Dort würde ich auf der Riesneralm mit ihnen Skifahren. Runterfahren zur Märzbachhütte in so ein wildes Tal. Dann auf dem Dachstein wandern oder vielleicht sogar auf den Hochschwab, weil es dort noch einsamer ist. Ich habe in der Oststeiermark in Freiberg bei Gleisdorf geheiratet. Diese Region, die ja etwas ruhiger ist, würde ich ihnen auch noch zeigen. Vielleicht die Riegersburg oder beim Zotter Schokolade essen.

Aglaia Szyszkowitz | © STG | Steiermark Tourismus
Aglaia Szyszkowitz | © STG | Steiermark Tourismus

Was lieben Sie an Ihrem Beruf?

Dass ich mich in jemand anderen verwandeln und in dieser anderen Figur Menschen berühren kann. Ich werde sehr oft angesprochen und die Leute sagen `Mah, ich seh sie so gern, ich mag das so gern, wenn sie spielen´. Ich finde, dass man mit diesem Beruf berühren kann. Und mir gefällt die Abwechslung, in jeder Rolle bist du wo anders, hast du mit anderen Menschen zu tun. In jeder Rolle entdeckst du wieder eine andere Seite von dir selbst. Der Beruf ist eine Reise zu sich selbst, und das finde ich schön.

Und was sind die weniger schönen Seiten am Beruf?

Das weniger schöne ist die Unsicherheit. Ich weiß jetzt einfach nicht wie das nächste Jahr wird. Ich weiß es schon ungefähr, aber gerade wenn das Leben so voranschreitet, kann man mit der Unsicherheit immer schlechter umgehen. Ich würde jetzt einfach gerne wissen, an diesem bestimmten Tag gehen die Proben los für das oder das. Auch wenn etwas kurzfristig abgesagt oder verschoben wird, finde ich schwierig. Du kannst zwar immer wieder positiv überrascht werden, indem jemand anruft und sagt, `Aglaia pass auf, wir brauchen dich´, aber im Großen und Ganzen ist es so, dass du schlecht Pläne machen kannst. Im Sommer kannst du schlecht sagen, ich fahre jetzt vier Wochen nach Griechenland, weil da ist die Hauptsaison. Man muss auch bereit sein, kurzfristig Pläne umzuschmeißen, damit man an ein Set kommt.

Sie drehen auch immer wieder in der Steiermark. Was macht die Steiermark als Filmland aus?

Ich glaube auch das Unverbrauchte, das Stille. In Bayern, in München, in Tirol sind die Leute oftmals schon total genervt, wenn irgendwelche Film-Teams kommen. Wir haben hier in Graz die Stadtkomödie gedreht, wo wir an einer Fortsetzung arbeiten. Die Leute freuen sich noch wirklich. Sie nehmen Anteil daran, kommen zum Set und machen Fotos. Und es gibt ganz viele Schätze hier, schöne Architektur, schöne Landschaften. Ich könnte sofort einen Film schreiben, wo ich die verschiedenen Locations in der Steiermark vor Augen habe. Von den Bergen im Norden bis zur Weinstraße, von den Kürbisfeldern bis zu den Wäldern. Es hat alles, was man braucht, aber es ist nicht verbraucht.

Würde Sie die Buhlschaft reizen?

Die Buhlschaft würde mich reizen, wenn ich einen guten Regisseur oder eine Regisseurin und einen guten Jedermann habe. Sonst nicht. Es ist eine Herausforderung, diese Rolle so zu machen, dass sie spannend ist. Aber die Herausforderung würde ich gerne annehmen.

Die unvermeidliche Frage: Hat Hollywood angerufen?

Hollywood hat nicht angerufen. Aber ich habe einmal Pierce Brosnan kennengelernt und ein Casting für James Bond gemacht. Ich wurde sogar besetzt, aber dann wurde die Rolle leider gestrichen, weil der Film zu lang war. Immerhin hätte ich es nach England geschafft, aber nicht nach Amerika. Das ist auch zu spät und gut so, da ich das europäische Kino ohnehin mehr schätze als die Hollywood-Produktionen.

Aglaia Szyszkowitz | © STG | Steiermark Tourismus

Wordrap

Schau ma´ mal, dann sehg´n ma scho.

Zur Ruhe kommen und genießen.

Neugierde.

Ungeduld.

Viele.

Zaubern können.

Mit dem Geld verdienen, was man wirklich gerne macht.

Egon Schiele.

Ruhiger Jazz.

Käferbohnensalat mit Kernöl.

Nach Hause kommen.

ALLE HERZBOTSCHAFTER AUF EINEN BLICK

Erleben Sie exklusive Interviews mit spannenden steirischen Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen und entdecken Sie die Schönheit und Vielfalt unseres "Grünen Herzens".