Spooky Season: Gruselgeschichten aus der Steiermark
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- Kunst & Kultur
- Autorin: Anja Leitner
Die Hexe vom Schöckl
Wer vom Grazer Becken zum Schöckl hinaufschaut und dunkle Wolken über dem Gipfel entdeckt, könnte natürlich einfach an einen Wetterumschwung denken. Früher hatte man dafür eine andere Erklärung: ganz klar die Schöcklhexe.
In den Wetterlöchern des Berges soll sie gehaust haben, eine graue Gestalt mit struppigem Haar, die dort oben Unwetter zusammenbraute. Was sie anrichtete, bekamen die Menschen unten zu spüren: Stürme zogen über Graz, Hagel verwüstete die Felder. Und weil man sich das nicht einfach gefallen lassen wollte, griff man zu durchaus handfesten Abwehrmaßnahmen. Besen, Mistgabeln und anderes Werkzeug flogen unter Flüchen vor die Haustür. Ob sich die Hexe davon beeindrucken ließ? Die Überlieferung hält jedenfalls noch einen mächtigen Helfer bereit: den Riesen Vasold, der ebenfalls auf dem Schöckl gelebt haben soll.
Heute lässt sich der Grazer Hausberg wesentlich entspannter besuchen. Von St. Radegund geht es zu Fuß oder mit der Schöckl-Seilbahn hinauf, oben laden Wege über das weitläufige Plateau zum Erkunden ein. Ein bisschen Hexenwerk steckt sogar im Freizeitprogramm: Die Sommerrodelbahn heißt passenderweise „Hexenexpress“ und fährt bei geeigneter Witterung auch im Oktober. Den Besen kann man also gern daheimlassen.
Und während in der Sage das Wetter zusammengebraut wird, darf für uns ruhig etwas auf den Tisch kommen. Etwa bei einer Einkehr im Stubenberghaus oder im Alpengasthof am Schöckl. Mit etwas Warmem im Bauch und dem Blick übers Land lässt sich schließlich bestens darüber rätseln, was an den alten Geschichten dran sein könnte. Zieht draußen gerade eine dunkle Wolke vorbei? Wohl nichts als Zufall. Oder?
Der Drache von Mixnitz
Hoch über Mixnitz öffnet sich im Röthelstein ein gewaltiges Felsportal. Dahinter liegt die Drachenhöhle. Ein Name, der wenig Spielraum für harmlose Vermutungen lässt.
Der Sage nach wohnte hier ein Ungeheuer mit schuppigem Panzer, Flügeln und scharfen Krallen. Sein Appetit war beträchtlich, und leider standen auch die Tiere der umliegenden Höfe auf seinem Speiseplan. Selbst Menschen waren vor ihm nicht sicher. Wer sich dem Drachen entgegenstellte, kehrte verletzt… oder überhaupt nicht zurück.
Schließlich versuchte es der Ziehsohn eines Bauern mit einer List. Er entdeckte eine glatt geschliffene Rinne, auf der das Untier ins Tal hinunterglitt, und vermutete seine Schwachstelle am weichen Bauch. Heimlich grub er Sensen und Sicheln entlang der Bahn ein, die scharfen Spitzen nach oben gerichtet. Als der Drache das nächste Mal hinunterrutschte, wurde ihm seine gewohnte Strecke zum Verhängnis. Die Gegend war befreit, der junge Mann wurde belohnt – und die Höhle behielt ihren Namen.
Eine Erklärung dafür, wie der Drache überhaupt in die Erzählungen gelangte, liefern die Knochenfunde aus der Höhle. Was einst für Überreste von Drachen gehalten wurde, stammte von ausgestorbenen Höhlenbären. Die gemütlichsten Untermieter waren das also auch nicht. Heute ist die geschützte Höhle vor allem ein bedeutendes Fledermausquartier.
Wer den Schauplatz kennenlernen möchte, braucht etwas Kondition und Trittsicherheit: Von Mixnitz führt ein steiler Wanderweg in rund eineinhalb Stunden zum Eingang, zuletzt durch eine mit Ketten gesicherte Felsrinne. Die Höhle selbst darf ausschließlich bei einer angemeldeten Führung betreten werden. Dafür lohnt sich die Planung eines Ausflugs zur Führungssaison; aktuelle Termine sind vorab zu erfragen. Für eine spontane Halloween-Erkundung im Höhleninneren ist das Zuhause der Fledermäuse nicht zugänglich. Falls der Drache doch zurückkehren sollte, wahrscheinlich besser so…
Die Reise des Teufels
Nicht einmal der Teufel selbst ist anscheinend vom Heimweh befreit. Der Sage nach sehnte sich Luzifer nach seiner Vertreibung danach, wieder in den Himmel aufgenommen zu werden. Die Möglichkeit dazu bekam er – allerdings mit einer ziemlich anspruchsvollen Bauaufgabe: In der Christnacht sollte er während der heiligen Wandlung einen Turm errichten, der von der Erde bis in den Himmel reichte.
Mit einer selbst gezimmerten Kraxe machte er sich ans Werk und holte gewaltige Felsen von der Hohen Veitsch. Doch beim dritten Transport hatte er sich übernommen. Der Korb zerbrach unter der Last, die Steine polterten davon, und die Glocke verkündete das Ende seiner Frist. Aus der himmlischen Rückkehr wurde nichts. Zurück blieb der Teufelstein in den Fischbacher Alpen. Und der Teufel selbst.
Die Geschichte spielt zwar zur Weihnachtszeit, ein bisschen teuflisches Schaudern funktioniert hier aber auch im Herbst. Zwischen den Bäumen tauchen die drei übereinanderliegenden Felsblöcke auf, zusammen rund sechs Meter hoch. Wer davorsteht, kann sich gut vorstellen, dass die Menschen eine Erklärung für diesen ungewöhnlichen Steinstapel suchten. Die Geologie erzählt von Verwitterung. Die Sage erzählt vom gescheiterten Himmelsstürmer. Für Gesprächsstoff bei der Wanderpause ist jedenfalls gesorgt.
Erwandern lässt sich der Schauplatz unter anderem auf der Route „Von Fischbach auf den Teufelstein“. Unterwegs erzählen Stationstafeln die Geschichte seiner Entstehung. So kommt man dem Teufel Schritt für Schritt auf die Spur – und darf sich am Ziel darüber freuen, dass man für den Aufstieg lediglich den eigenen Rucksack tragen musste.
Noch nicht genug vom Sagenhaften?
Dann wartet in Eisenerz noch eine Begegnung mit einem ziemlich schwer zu fangenden Wasserwesen. Was Speis und Trank, eine klebrige List und ein Handel um die Freiheit mit dem Erzberg zu tun haben? Das erzählt die Legende vom Wassermann: Wie das Erz in den Erzberg kam.