ARGE alpin Gesäuse
Das Gesäuse ist ein alpines Klettergebiet mit langer Geschichte, ein vielseitiges Schitourengebiet und zudem ein hochwertiges Naturschutzgebiet. Darauf baut die Region als Tourismusdestination und als Lebenswelt. Doch nicht nur das Gesäuse - die gesamten Ennstaler Alpen sind von eher „wildem“ Charakter: Raue Natur, steile Felswände, schwierige Klettereien mit langen Zustiegen, wenig Infrastruktur. Es braucht schon ein gewisses Maß an Demut, Eigenverantwortung, Mut, Können und Kondition für die Ennstaler Bergwelt. Massentourismus ist hier aufgrund des wenigen Platzes entlang der Enns und dem Fehlen der nötigen Infrastruktur wohl kaum möglich. Dennoch wird die Region mehr und mehr besucht. Ein Mitgrund dafür mögen durchaus die unkontrollierbar zunehmenden Tourenveröffentlichungen im WorldWideWeb sein, welche die Besucherzahlen kontinuierlich nach oben treiben. Ein Teil des Gesäuses ist als Nationalpark unter Schutz gestellt. Hier wurde in den letzten zwei Jahrzehnten vieles zur Lenkung von Besucher:innen erfolgreich umgesetzt. Langfristig macht es Sinn, in der ganzen Region gemeinsam praxisnahe Strategien umzusetzen, die leicht verständlich sind. Daran arbeiten wir laufend.
Wer wir sind
Die ARGE Alpin Gesäuse versteht sich nicht als operatives Instrument zur Umsetzung von Managementmaßnahmen, sondern als Dialogplattform für Institutionen und Meinungsbildnern mit ähnlichen Nutzungskonflikten. Sozusagen eine Art „Ethikkommission“. Ein Leitfaden für den Kletter- und Wintersport in den Ennstaler Alpen. Ziel sind eine gemeinsame ethische Linie sowie besucherlenkende Maßnahmen, welche von allen Playern der ARGE getragen und kommuniziert werden. Beteiligt sind die regionalen alpinen Kompetenzen (Alpenvereine, Naturfreunde, Bergrettungen, lokale Bergführer und Gebietskenner) sowie naturräumlich relevante Institutionen und Grundbesitzer (Nationalpark Gesäuse, Naturpark Steirische Eisenwurzen, Steiermärkische Landesforste, Stift Admont, Forstverwaltung Hohenberg, Tourismusverband Gesäuse). So kennt jeder die Ziele und Überlegungen der anderen, was das Einschlagen einer gemeinsamen Linie deutlich erleichtert. Es geht also um ein Miteinander, und dazu braucht es einen guten Mittelweg.
Ethischer Leitfaden
Im Anschluss sind die wichtigsten Bereiche zusammengefasst, einschließlich der in den Ennstaler Alpen gewünschten Vorgehensweise im Hinblick auf Ökologie und Verhaltensethik. Eine dies betreffende ausführlichere Info hinsichtlich Alpinklettern ist auch im lokalen Kletterführer (Kletterführer Gesäuse, Seite 656 ff.) enthalten.
Alpinklettern
In den bis zu 800 Meter hohen Felswänden des Gesäuses sind mehr als 1000 Kletterrouten bekannt. In vielen Gebieten der Alpen – mit und ohne Schutzstatus – kommt es zu einem regelrechten Wildwuchs an Sanierungen, Bohrhakensetzungen und -entfernungen, Streitigkeiten über Stil und Sicherheitsfragen. Derartiger Unsinn soll im Gesäuse durch ein koordiniertes Vorgehen vermieden werden. Dabei gilt es, Brücken zu schlagen: Sowohl die Interessen des Naturschutzes, Sicherheitsfragen und auch der Wille, Abenteuer für künftige Generationen zu ermöglichen, wollen berücksichtigt sein. Ziel ist, den bestehenden alpinen Charakter des Gesäuses zu erhalten.
- Die Zustiege zu den verschiedenen Wandbereichen der Hochtorgruppe und des Buchsteinstockes werden durch den Nationalpark Gesäuse im Sinne einer ökologischen Lenkung gewartet. Die Steige sind auffindbar, stellen aber keine markierten Wege im Sinne der Wegeerhaltung dar – es handelt sich um naturbelassene Wege. Neue Zustiegswege sind nicht notwendig und somit nicht angedacht.
- Bei manchen Zustiegen zu und Ausstiegen von Wänden sind Seilversicherungen vorhanden. Das Warten ist in jedem Einzelfall mit der ARGE alpin Gesäuse abzustimmen (auf Nationalparkfläche mit dem Nationalpark Gesäuse).
- Bestehende Kletterverbotszonen laut Natura 2000 müssen in Topos und Wandbildern markiert werden. Wenn möglich ist vor Ort eine dementsprechende Info aufzustellen. Derzeit gibt es ein permanentes Kletterverbot in Teilen der Zinödl-Nordwand und am Himbeerstein.
- Bei Nachweis von Brutvogelvorkommen in einer alpinen Kletterroute wird der Bereich um die Route in der sensiblen Zeit gesperrt.
- In den vergangenen Jahrzehnten wurden viele alpine Kletterrouten saniert. Dabei wurde großes Augenmerk auf den Erhalt der Ursprünglichkeit und letztlich auch des Abenteuers gelegt. In einer Vielzahl der Routen trifft man lediglich auf gut eingerichtete Standplätze, Zwischensicherungen müssen größtenteils selbst angebracht werden. Durch diesen Sanierungsstil soll nicht der Eindruck entstehen, dass die Wände und Routen Klettergarten-Charakter haben und dadurch Länge und Schwierigkeit unterschätzt werden. Dies soll auch bei etwaigen weiteren Sanierungen beibehalten werden. Zudem wurde nur hochwertiges Hakenmaterial im Hinblick auf nachhaltige Sicherheit verwendet. Auch dies ist für zukünftige Vorhaben beizubehalten.
- Einzelne alpinhistorisch wertvolle Routen sollen als „Alpindenkmale“ bestehen bleiben, in denen auch künftig auf Bohrhaken verzichtet wird. Eine dementsprechende Auflistung liegt vor.
- Ebenso gibt es definierte Wandbereiche, in denen auf das Anbringen von Bohrhaken verzichtet wird, damit eine dem Abenteuer gewidmete Zone bleibt und von der Mehrheitsmeinung abweichende Kletterinteressen respektiert werden.
- Erstbegehungen sollen „by fair means“ von unten im Vorstieg durchgeführt werden im Sinne der persönlichen Entfaltung und Selbstverwirklichung. Das Schlagen oder Anbringen von Griffen oder Tritten ist tabu.
Talnahe Sportklettergebiete
In den Tallagen rund um den Johnsbach sind einige über die Jahrzehnte gewachsene Sportklettergebiete. Die lohnendsten davon wurden saniert und sind nun offiziell ausgewiesen. Es sind dies der „Alte Klettergarten“, „Gsengplatte“ und „Gsengstein“ sowie der „Tunnel“.
Diese eingerichteten „Klettergärten“ bieten eine gute Alternative zum Klettern bei instabiler Wetterlage und zudem als Übungsgelände und Vorbereitung für alpines Klettern.
- In den bestehenden talnahen Klettergebieten ist eine Wartung und Weiterentwicklung des Routenpotentials nach Absprache möglich.
- In den bestehenden Kletterrouten kann der Fels von Bewuchs freigehalten werden. Lockere Steine können entfernt werden. Bei diesen Arbeiten ist jedoch dringend Augenmaß zu halten.
- Neuerschließungen von talnahen Klettergebieten sind nicht vorgesehen.
- Sollten nachweislich Brütvögel etc. in einem talnahen Klettergebiet auftreten, kann dieses Gebiet oder ein Bereich davon in der sensiblen Zeit gesperrt werden.
Klettersteige
Die Ennstaler Alpen sind gut mit Klettersteigen ausgestattet. Die meisten davon erfordern einen langen Zustieg und dementsprechende Kondition, aber es gibt auch wenige kürzere Alternativen im Talbereich.
- Neuerschließungen von Klettersteigen sind mit der ARGE alpin Gesäuse abzustimmen bzw. auf Nationalparkfläche grundsätzlich nicht vorgesehen.
Leichte Klettersteige, schwere Wanderwege
- Klassische, leichte Kletterrouten, wie der Peternpfad, die Gesäuse-Überschreitung, die Hallermauern-Überschreitung oder die Überschreitung vom Kleinen zum Großen Buchstein über die „Schafzähne“, bleiben als Kletterrouten erhalten und werden nicht als Klettersteige mit Seilversicherungen ausgebaut. Das Anbringen von Fixseilen (Stahlseil oder Perlon) ohne Rücksprache ist nicht erwünscht und auf Nationalparkfläche generell untersagt.
- Markierte, alpine Wanderwege sollen ebenfalls nicht zu versicherten Wegen umgebaut oder nachsaniert werden. Beispiele: Die
Schitouren und Schneeschuhwandern
Wintersportler:innen sind Gäste im Lebensraum der Wildtiere, Der Mensch genießt die Bewegung in unberührter Natur, übernimmt dabei aber Verantwortung für ihre Bewohner. Tiere im Winter leben am Limit ihrer Energiereserven – jede Störung kann lebensbedrohlich sein. Raufußhühner beispielsweise überleben den Winter nur durch Energiesparen (Sitz in Schneehöhlen, eingeschränkte Aktivität). Jede Störung zwingt sie zu energiezehrenden Fluchtflügen. Anderen Wildtieren ergeht es ähnlich. Überall gibt es Überlappungen der beliebtesten Skitourenziele mit wertvollen Lebensräumen. Lenkungskonzepte geben klare Zonen und empfohlene Routen vor. So bleiben Rückzugsräume für die Wildtiere ungestört. Skitourengeher:innen können trotzdem die gewünschten Gipfel erreichen, noch dazu auf einer markierten und somit gut auffindbaren Route.
- Es gibt behördlich verordnete Sperrgebiete, welche eng im Zusammenhang mit den Rotwild-Wintergattern stehen und offiziell ausgewiesen sowie überall online sichtbar sind. Komplizierter wird es bei sensiblen Lebensräumen, welche eine biologische Notwendigkeit darstellen. Zum einen liegen hier Beobachtungen der Jägerschaft zugrunde. Zum anderen greift man auf jahrelanges Monitoring mit detaillierter Datengrundlage zurück (Nationalpark Gesäuse). Die Schwierigkeit liegt im Spagat, relevante Wald-Wild-Schongebiete zum Wohl der Wildtiere zu definieren und gleichzeitig Schitourenrouten mit möglichst wenig Einschränkungen zu erhalten.
- Ein funktionierendes Miteinander zwischen den Interessen des Naturschutzes und des Wintersportes erfordert das freiwillige Respektieren vorgegebener Wald-Wild-Schongebieten. Diese sind nicht willkürlich, sondern wohl überlegt definiert und sichern den Wildtieren in der harten Winterzeit einen beruhigten Rückzugsort.
- Schitouren und Schneeschuhwanderungen sollen entlang der ausgewiesenen Routen stattfinden.
- Bei Dämmerung und Dunkelheit ist der Aufenthalt im winterlichen Bergwald zu vermeiden.
Die Player der ARGE alpin Gesäuse
Zur Website der Steiermärkische Landesforste
Zur Website des Nationalpark Gesäuse
Zur Website des Forstbetrieb des Stiftes Admont
Zur Website der Forstverwaltung Hohenberg
Zur Website des Alpiner Rettungsdienst Gesäuse