milli lux/ Einzelstyck
Graz
Im Herz-Jesu-Viertel kreiert Barbara Stölzl unter ihrem Label milli lux seit 2011 aus alten Stoffen Lampenschirme, unter dem Schwesterlabel EINZELSTYCK auch Kleider, Röcke und Accessoires. Jedes Stück ist ein Unikat, gefertigt fast ausschließlich aus gespendeten oder gebraucht erworbenen Naturmaterialien.
Motto: Neues Leben für alte Stoffe
Auf 18 Quadratmetern in einer ehemaligen Trafik im Grazer Herz-Jesu-Viertel liegt das Reich von Barbara Stölzl. Vorne im kleinen Verkaufsraum warten Kleider, Röcke und Oberteile in allen Farben und Mustern auf ihre Trägerinnen: Von der Decke baumeln fantasievolle Lampen, die sie aus weggelegten Stoffen näht – darunter ihr Klassiker "Pimp your Bulb", eine kleine Leuchte zur unkomplizierten Verkleidung nackter Glühbirnen. Auch die Serie "Shirt Rescue", genäht aus alten T-Shirts, gehört zum Sortiment und leuchtete im Zuge einer Pop-up-Werkschau sogar schon im Grazer Kunsthaus. Nur durch einen Vorhang getrennt, in ihrer Werkstatt, nehmen ihre Ideen auf einer alten Pfaff-Gewerbenähmaschine Gestalt an.
Was sie antreibt, ist die Idee des Upcyclings: Aus Altem, Weggelegtem entsteht etwas Neues, fast ausschließlich aus Materialien, die schon einmal ein anderes Leben hatten. "Ich bekomme so viele schöne Stoffe geschenkt", erzählt die 56-Jährige und zeigt einen langen Tellerrock aus einem Stoff aus dem Rijksmuseum-Shop in Amsterdam, inspiriert von einem Vermeer-Gemälde. Angefangen zu nähen hat sie schon mit acht Jahren – "auf einer kleinen Puppennähmaschine". Vieles hat sie sich selbst beigebracht, später führt sie ihre Ausbildung ans Modekolleg Wien-Michelbeuern, dann in die Meisterklasse nach Graz – heute ist sie Damenkleidermachermeisterin mit Brief und Siegel. 2011 gründete sie milli lux, unter dem Label EINZELSTYCK näht sie nachhaltige Kleidung.
Ihre Materialien findet Stölzl in Carla-Läden, auf Flohmärkten oder bei aufgelösten Haushalten, deren Textilien sie behutsam sichtet. Die begrenzte Menge Stoff zwingt sie dazu, sich für eine Form, eine Größe, ein Design zu entscheiden, statt sich in endlosen Möglichkeiten zu verlieren: "Für mich ist die Einschränkung spannend." Manche Begegnungen gehen unter die Haut: Eine Frau brachte handbestickte Bettwäsche ihrer verstorbenen Großmutter, aus der Stölzl für sie und ihre vier Schwestern je einen Lampenschirm fertigte. "Das sind für mich die schönsten Aufträge", sagt sie, "weil ein kleines Stück Erinnerung darin weiterlebt."
Besonderes:
Wir verarbeiten auch gerne mitgebrachte Erinnerungsstücke (alte Babyschmusetücher, ein Lieblingskleid, das Konzertshirt von damals) – so dürfen sie in neuer Form weiterleben, statt in einer Schublade zu verschwinden.
Fotos & Videos
Die aktuellen Öffnungszeiten finden Sie hier.