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Maximilian Gregor Glatz steht vor dem Ritterschlag

  • Kulinarische Schätze, Herbst, Herzliche Begegnungen
Maximilian Gregor Glatz ist ein „Weinbegabter“ – und darf sich bald als erst vierter Österreicher „Master of Wine“ nennen. Dieser Titel ist der höchste, den man in der Welt des Weins erreichen kann, und wird im Institute of Masters of Wine in London vergeben. Wir trafen den 27-Jährigen im wunderschönen Weingut seiner Eltern in Bad Waltersdorf zum Interview.

Maximilian, Du hast diese Prüfung in London absolviert und das gleich beim ersten Versuch, was nur die wenigsten Kandidaten schaffen. Steht London nicht eher für Tee, Whisky oder Gin?
Maximilian Glatz: England ist eine Genusshochburg, die Lokale dort haben Weinkarten, wie man sie im restlichen Europa kaum findet. Das Land importiert Wein aus allen Ländern weltweit. Aufgrund des Klimawandels werden dort aber mittlerweile auch tolle Schaumweine produziert, weil die Böden denen in der Champagne gleichen.

Drehen wir das Rad der Zeit um einige Jahre zurück. Eigentlich war ja Dein Bruder Carl-Christopher als Winzer der vierten Generation Eures Weingutes geplant. Was ging da „schief"?
Maximilian Glatz (lacht): Geplant ja, aber mein Bruder hat sich für eine Beamten-Karriere entschieden.

Wann hast Du Dein Talent für den Wein erkannt?
Maximilian Glatz: Eigentlich in der Lehranstalt für Tourismus in Bad Gleichenberg, wo ich unter anderem die Ausbildung zum Jungsommelier gemacht habe. Dort gab es bei den Blindverkostungen stets eine große Rivalität, was mich angespornt und zugleich motiviert hat.

Wie ging es nach der Tourismusschule Bad Gleichenberg weiter?
Maximilian Glatz: Mit der Weinakademie in Rust, wo ich 2020 mit dem „Top Student Award“ für das absolut beste Gesamtergebnis ausgezeichnet wurde. Zugleich erhielt ich auch noch drei Auszeichnungen für die Bereiche Theorie, Spirituosen und Diplom-Arbeit.

Dieser „Top Student Award“ war für Dich zugleich die Chance zum Master of Wine.
Maximilian Glatz: Ja, ich habe wie mehrere tausend Bewerber:innen eine persönliche Einladung vom Institut of Masters of Wine bekommen, von denen rund 400 den ersten Schritt geschafft haben. 2021 war die Stage-one-Prüfung und wir waren danach nur noch 80 Kandidat:innen, von denen mit einer Chinesin, die in Dänemark an der staatlichen Universität in Kopenhagen arbeitet, und mir nur noch zwei für die große Abschlussprüfung übrig geblieben sind.

Maximilian, was macht diese Dame an der Universität Kopenhagen?
Maximilian Glatz: Sie untersucht biochemische Prozesse im Gehirn während einer Weinverkostung.

"Nirgendwo ist es so schön wie zu Hause! Das Thermen- & Vulkanland ist eine Genussregion verbunden mit einem tollen Lebensstil."

Diejenigen, die den Master of Wine beim ersten Mal geschafft haben, kann man an einer Hand abzählen. Was waren die größten Schwierigkeiten bei dieser Prüfung?
Maximilian Glatz: Das hat schon mit dem Oxbridge Essay-Format begonnen, mit dem die Fragen beantwortet werden müssen. Dieses Format ist ganz anders aufgebaut als unseres und ist für Nicht-Engländer:innen nicht gerade einfach.

Was wird bei dieser Abschlussprüfung verlangt?
Maximilian Glatz: Es sind 15 Fragen mit je 1.000 Wörtern zu beantworten und bei der Blindverkostung muss man von 36 Weinen aus der ganzen Welt 65 Prozent erkennen.

Bevor wir zum Wein kommen: Verrate uns bitte die eine oder andere Frage, die es zu beantworten galt?
Maximilian Glatz: Eine Frage war, wie man die Trockenheitstoleranz im bestehenden Weingarten erreichen kann. Eine andere war, welche Verpackung sich in Zukunft beim Wein durchsetzen wird. So wird das in Japan auf keinen Fall das Glas sein, weil Flaschen dort ein Risiko bei Erdbeben darstellen.

36 weltweite Weine bei einer Blindverkostung zu erkennen – wie schafft man das, woher bekommt man diesen Wein, um trainieren zu können?
Maximilian Glatz: Blindverkostungen sind eine meiner Stärken. Weil viele dieser Weine in Europa – sprich auf dem Festland – nicht erhältlich sind, bin ich bereits einige Tage vor der Prüfung nach London gereist. Wie schon eingangs erwähnt haben dort die Lokale Weine aus aller Welt und so konnte ich für die Blindverkostung üben. Anschließend hatte ich nur noch ein kleines Problem zu lösen …

Welches?
Maximilian Glatz: Für die Verkostung muss man sein eigenes Glas mitbringen. Ich hatte keines mit, wollte mir ein schönes Weinglas in London kaufen. Geworden ist es ein relativ dickes, weil die anderen einfach viel zu teuer waren.

Darfst Du Dich schon „Master of Wine“ nennen? 
Maximilian Glatz: Noch nicht, es fehlt die Masterarbeit, die aber nur noch Formsache ist. Ich kenne noch nicht einmal mein Thema.

Wie könnte es lauten?
Maximilian Glatz: „Die Weinsignifikanz in den Werken von Shakespeare zum Beispiel", die es in Form einer kritischen Interpretation aufzuarbeiten gilt.

Was steht Dir mit dem „Master of Wine" offen?
Maximilian Glatz: Die ganze (Wein)Welt. Im März gehe ich für mehrere Monate nach Neuseeland, um in der Weinregion Marlboro Erfahrung in allen Bereichen zu sammeln, die ich dann zu Hause anwenden und weitergeben kann. Auch Chile oder das französische Loiretal mit seiner 800 Kilometer langen Weinstraße sind Überlegungen.

Wo siehst Du Deine Zukunft?
Maximilian Glatz: Nirgendwo ist es so schön wie zu Hause! Das Thermen- & Vulkanland ist eine Genussregion verbunden mit einem tollen Lebensstil. Geht es mir gut, trinke ich guten Wein. Und die Weine aus dem Weinbaugebiet Vulkanland Steiermark DAC spielen mit ihrer Qualität international bereits sehr weit oben mit. Wobei wir uns auf die Qualität konzentrieren müssen, weil wir für die Quantität zu wenig Rebflächen haben. Was mir persönlich in unserer Region sehr gut gefällt, ist der Zusammenhalt unter den Winzer:innen.

Tipp: Nächste Woche sendet Vulkan TV einen Beitrag über Maximilian Glatz.

Kommentar Vorsitzende Sonja Skalnik:

"Die Erlebnisregion Thermen- & Vulkanland ist stolz darauf, mit Maximilian Gregor Glatz schon bald den erst vierten „Master of Wine" Österreichs zu haben. Mehr als den „Master of Wine" kann man weltweit in der Weinbranche nicht erreichen. Dass Maximilian diese Prüfung noch dazu im jungen Alter von 27 Jahren beim ersten Antreten geschafft hat, ist auch ein Beweis dafür, welch Qualität und Fachwissen unsere Erlebnisregion beim Wein hat."

Weinbau Glatz

1969 legten Karl und Anna Glatz mit dem Bau eines Vierkanthofes in Bad Waltersdorf den Grundstein für das heutige Weingut. Früh erkannten die Großeltern, dass ihre Enkelin Katharina (heutige Managerin) viel Gefühl für den landwirtschaftlichen Betrieb zeigt, den sie auch 1989 übernahm und mit ihrem Lebensgefährten Karl Nöhrer zur heutigen Größe ausbaute. Im jetzigen Ausbau beinhaltet das Weingut, das Weinwerk, die Greißlerei der regionalen Vielfalt und die jährlichen Ausstellungen „OsterNest" und „AdventZeit" (entfällt heuer). Mit „Master of Wine“ Maximilian blickt das Weingut optimistisch in die Zukunft.

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