Die Flinserl – prachtvolle Frühlingsgestalten im Ausseer Fasching
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- Tradition & Brauchtum
Diese närrische Zeit versetzt die Region jedes Jahr in einen Ausnahmezustand – im besten Sinn. Für Einheimische wie Gäste ist der Fasching seit Jahrhunderten ein Fixpunkt, dessen Intensität man erlebt haben muss, um seinen Zauber zu verstehen.
Die Ursprünge des Ausseer Faschings lassen sich nicht mehr genau feststellen. Belegt ist jedoch, dass dem Salinen- und Bergarbeiter schon früh ein eigenes Faschingstreiben erlaubt war, der „Vaschang“. Ein Dokument von 1552 zeigt, dass dieser Tag anderen hohen Feiertagen gleichgestellt war.
„…Wein nur an den hohen Festtagen im Jahr, desgleichen unser Frauentag, Allerheiligen, Vaschang, Anntlaß und Karfreitage…“
Zeitlos prachtvolle Frühlingsgestalten
Im Ausseer Fasching gibt es viele Figuren und Bräuche. Die wohl eindrucksvollsten sind die Flinserl. Ihr Ursprung ist ungewiss. Volkskundler sehen Parallelen zum Fleckgewand und zum Harlekin, andere vermuten Einflüsse von Salzfuhrleuten oder Verbindungen nach Venedig. Belege dafür gibt es jedoch nicht.
Naheliegend ist, dass die bunten Kostüme von den Ausseer Bürgern selbst geschaffen wurden, um besondere Anlässe festlich zu begehen. Ob sie nun aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammen, spielt letztlich keine Rolle. Entscheidend ist ihre Pracht und ihre Wirkung im Hier und Jetzt.
Einer der schönsten Tage im Jahr
Wenn die Ausseer von den „heiligen drei Faschingstagen“ sprechen, meinen sie zumeist Sonntag, Montag und Dienstag. Für viele ist der Dienstag der Höhepunkt.
Während Arbeitertrommelweiber und Schüler schon am Vormittag unterwegs sind, treffen sich die Flinserl erst am frühen Nachmittag im Gasthof „Blaue Traube“, ihrem traditionellen Ausgangspunkt. Von dort starten bis zu fünfzig Flinserlpaare in die Stadt. Der paarweise Auftritt hat Tradition. Früher gab es nur „Faschingmandl“ und „Faschingweibl“, aus denen sich später der heutige Flinserlzug entwickelte. Angeführt wird er von der Flinserlmusi, die den alten und den neuen Faschingsmarsch und heimische Landler, STeirer und Waldhansl spielt. Die „Zacherln“ bahnen mit Saublasen an Stöcken den Weg durch die Menge.
Am Kurhausplatz beginnt das Auswerfen von Nüssen, Orangen und Süßigkeiten. Wer etwas bekommen will, muss zuerst einen Flinserlspruch aufsagen und laut „Nuss!“ rufen. Die Kinder freuen sich, Erwachsene werden von den Zacherln mit einem Schlag der Saublase daran erinnert, dass die Gaben den Kleinen gehören. Nach dem Umzug kehren die Flinserl in Wirtshäuser ein. Beim traditionellen Flinserltanz bei der Kurcafe-Konditorei Lewandofsky-Temmel gegebn sich die prachtvoll gekleideten Damen und Herren die Ehre. Wenn es sich zeitlich ausgeht, gesellen sich auch die Arbeitertrommelweiber hinzu. Bis in den Abend hinein zieht die Gruppe durch die Stadt, bevor der Abend in den Ausseer Wirtshäusern gemütlich ausklingt.
Tradition und Handwerk
Bevor jemand Flinserl wird, braucht es ein Gewand. Manche sind über hundert Jahre alt, das älteste bekannte stammt aus 1824. Chronist Herbert „Berzi“ Seiberl hat 138 Gewänder dokumentiert: Zacherl, Mandl, Weiberl und sogar Kinderflinserl. Nach dem Zweiten Weltkrieg ruhte das Brauchtum bis 1946 und wurde durch eine spontane Initiative wiederbelebt. Die Herstellung eines Gewands ist aufwendig. Naturleinen bildet die Basis, darauf werden bunte Lodenflecken, Ornamente und Figuren gestickt. Silberpailetten sorgen für den Glanz. Drachen, Blumen, Sonne, Mond oder Trachtenpaare erzählen persönliche Geschichten der Träger. Bis zu 500 Arbeitsstunden und rund 1.600 Meter Fäden stecken in einem einzigen Kostüm. Dazu kommen Gugl, Filzhut und wehende Fäden, sodass die Identität der Träger verborgen bleibt. Ob venezianischer Einfluss oder heimische Erfindung, die genaue Herkunft wird wohl ungeklärt bleiben. Wichtiger ist, dass der Brauch weiterlebt und kommende Generationen diese besonderen Faschingdienstage erleben können.