Die bunte fünfte Jahreszeit
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- Tradition & Brauchtum
DieArbeiterflinserl am Faschingsamstag:
Mit Blaumann und Bierkapseln
Teilweise gibt es sie in Aussee noch, die selbstbewussten Stände. Auch wenn bei den meisten Faschingsgruppen nicht mehr nach beruflichen Hintergründen gefragt wird, hat sich bei den Ausseer Flinserln, die am Faschingdienstag durch Bad Aussee ziehen, ein bürgerliches Flair bewahrt. Das spiegelt sich in der musikalischen Begleitung durch die „Flinserlmusi“ wider. Dieses bürgerliche Kernstück und die feine Musik führten 2006 zur Gründung der „Arbeiterflinserl“, einer Mischung aus Hommage an das Original und Ausseer Widerspenstigkeit.
Die Arbeiterflinserl wollten keine Doppelgänger sein und setzten von Beginn an eigene Kennzeichen. Die Optik lehnt sich ans Vorbild an, unterscheidet sich aber in allen Details. Akustisch sind sie durch Blasmusik früher zu hören. Grundgewand ist eine blaue Arbeitermontur, bestickt mit Bierkapseln. Die „Zacherl“ tragen bunte Luftballons statt Saublasen. Alle Details fügen sich zu einem prächtigen Gesamtbild, nur mit dem Kolorit der Arbeiterschaft als Gegenentwurf zum Bürgertum. Die Arbeiterflinserl treten traditionell am Faschingssamstag auf und bereichern Veranstaltungen und Wirtshäuser mit ihrem bunten musikalischen Treiben.
Das Knopferl
eine liebevolle junge Figur aus Altaussee
In Altaussee haben sich neben den Trommelweibern die Knopferl entwickelt und gehören heute zum festen Bestandteil des närrischen Treibens. Bei einem „Weiberrocka“ hatten die Damen der Heimatbühne Altaussee die Idee, die Flinserltradition nach Altaussee zu bringen, entwickelten aber einen eigenen Faschingsbrauch. Am Faschingssamstag ziehen die Knopferl mit Seitelpfeifern, Rumpelspiel und Zuckerln durchs Dorf – bunt gemischt, maskiert oder bemalt, mit selbstgeschneiderten Gewändern und Knopf-Symbolen.
Jeder trägt einen Spitznamen: Salzknopf, Baggerknopf, Seitelpfeiferlknopf oder Zwirnknopf. Manche, wie Hofnarr Fröhlich, sind ein Erbe aus vergangener Zeit. Der Name „Knopferl“ stammt von den Knöpfen auf dem Gewand als Symbol für Beruf, Persönlichkeit oder kleine Eigenheit. Gewänder bestehen aus heller Hose und Janker oder Rock und besticktem Überjanker, die Kragenfarben zeigen die Gruppenzugehörigkeit.
Am Faschingssamstag geht der Trupp durchs Dorf, verteilt Nüsse, Zuckerl und Salzsteine von der Saline und spielt Musik aus Seitelpfeifern, Rumpel und Trommel. Vor dem Hauptumzug besuchen die Knopferl Seniorenzentren in Altaussee und Bad Aussee. Besonders stolz ist man auf Andreas Höfgen, Nachfahre des Altausseer Hoftaschenspielers Josef Fröhlich, der mehrfach als Hofnarr Fröhlich auftrat. Wer Knopferl wird, erhält symbolisch einen Salzstein und ein Beigl. Seit 2024 tritt die Gruppe am Faschingssamstag auf, parallel zum Kinderfasching.
Impressionen vom Ausseer Fasching
Wenn’s bunt wird, ist auch in Bad Mitterndorf Fasching
Am Faschingdienstag in Knoppen/Bad Mitterndorf ziehen die Flinserl los. Engelbert Haim ist seit 1978 „Oberflinserl“ und möchte bis 2028 bleiben. Das Flinserlgehen in Pichl-Kainisch ist eine Familienangelegenheit mit Tradition. Die Flinserl treffen sich um 9.15 Uhr, der Umzug startet um 10 Uhr, führt zu mehreren Stationen und endet gegen 14 Uhr. Sie verteilen Süßigkeiten, Nüsse, Schokolade und Orangen, wobei Kinder die Reime laut rufen müssen. Viele Reime sind spontan und auf das Dorfgeschehen abgestimmt.
Der Brauch begann 1954 beim Feuerwehrball in Kainisch. Engelbert Haim sen., Emil Ebner und Lois Sendlhofer spendeten Geld, Maria Haim kaufte Süßigkeiten, Emil Ebner steuerte das rot-weiß gestreifte Kostüm bei. Heute sind die Gewänder kunstvoll bestickt, jedes ein Unikat. Neue Flinserl gibt es nicht inflationär, maximal neun dürfen mitgehen. Seit 2016 zählt das Flinserlumgehen zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Für Engelbert Haim zählt vor allem, dass sein Enkel einmal übernimmt.
Obersdorfer Fleckerl:
bunte Stoffe, laute Sprüche und ganz viel Herz
Die Obersdorfer Fleckerl sind ein bunter Farbtupfer im Ausseer Fasching. Mit selbstgenähten Kostümen, witzigen Sprüchen und Süßigkeiten bereitet die achtköpfige Gruppe um „Oberfleckerl“ Melanie den Kindern einen besonderen Tag. Der Start ist um 10 Uhr in der Volksschule Knoppen. Melanie führt die Truppe seit 2018 an, die Mitglieder sind zwischen 37 und über 70 Jahre alt.
Die Gewänder bestehen aus farbenfrohen Stoffen, Filzhut mit Fuchsschwanz und einem Leinensackerl mit Initialen. Der Brauch reicht bis in die 1930er-Jahre zurück. Die Fleckerl begleiten die Kainischer Flinserl, trennen sich dann und ziehen mit den Kindern zu verschiedenen Stationen. Melanie und ihre Truppe schreiben eigene Sprüche für jede Station. Nur Kinder, die „Nuss!“ rufen, erhalten ein Geschenk, beliebt sind kleine Gummiburger. Es gibt kein formelles Aufnahmeritual, Mitglieder entscheiden sich gegenseitig.
Die Truppe trifft sich einmal jährlich zur Vorbereitung. Am Faschingdienstag starten sie mit Frühstück, marschieren mit den Kindern und verteilen Süßigkeiten. Nachmittags klingt der Tag im Pfarrhof oder in der Musikbar aus. Für Melanie ist es gelebtes Brauchtum und eine Ehre. 2024 eröffneten die Fleckerl die Saison am 11.11. beim Bäcker mit Krapfen.