Lämmer, Almen und „Omadl“: Gerhard Weissenbachers Naturerlebnisse
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- Lebensraum, Natur erleben
- Autorin: Madeleine Mitrovic
Der Hof seiner Familie wird seit dem 16. Jahrhundert bewirtschaftet. Gerhard ist heute Bauer im Nebenerwerb und lebt mit seiner Familie in Grundlsee. Schon lange trug er den Wunsch in sich, Gästen „sein“ Ausseerland zu zeigen und Geschichten zu erzählen, die man sonst kaum erfährt.
Zwischen Bauernhof, Sommerfrischler:innen und Traditionen aufgewachsen, bietet Gerhard seine ganz persönlichen Naturerlebnisse auf dem Hof und bei Bergtouren an.
Die Ideen bekommt Gerhard aus seinem eigenen Leben. Schon als Kind lernte er von Eltern und Großeltern, was zum naturverbundenen Leben alles dazugehört. Warum die Arbeit vom Wetter bestimmt ist. Weshalb man Ruhe braucht beim Tun. Das Winterfutter ist immer wieder in den Stall gekommen, manchmal unter schwierigen Bedingungen, dann wieder gab es Jahre, in denen bei dauerhaft schönem Wetter alles in Ruhe erledigt werden konnte.
Ein Blick ins echte Leben
Vieles hat er vom Zuschauen und Anpacken gelernt, oder aus Erzählungen. Der Vater war Bauer und Jäger, kannte die Wälder, hielt Rinder und Schafe. Einmal gab es einen Wintereinbruch im August und die Tiere mussten bei Schnee von der Hochalm geholt werden. Aus solchen Erfahrungen lernt man.
Auch die Urlaubsgäste hatten Einfluss auf das Leben. Die Familie vermietete Zimmer an Gäste, die oft wochenlang zur Erholung am Grundlsee blieben. Viele wollten nicht nur Zaungäste sein, sondern mithelfen und in die regionale Lebensweise eintauchen. Sie halfen bei der Heuernte mit. Nachdem alle mitangepackt hatten, saß man bei einer geselligen Jause zusammen. Die Sommergäste waren es auch, die Gerhards Begeisterung für das Wandern weckten. Gemeinsam mit ihnen entdeckte er die umliegenden Hoch- und Niederalmen aus einer anderen Perspektive.
Heute gehören Schafe und je nach Jahreszeit auch deren Lämmer zum Leben des Grundseers. Im Frühjahr beleben sie den Hof, bevor sie weiterziehen und auf die Niederalmen und verschiedene Weidegebiete kommen, dorthin, wo maschinell nicht gearbeitet werden kann. Die Natur gibt den Takt vor, deshalb wechselt auch das Erlebnisangebot.
Wer mit Gerhard unterwegs ist, hört Geschichten aus dem echten Leben im Ausseerland. Welche Landschaftsflächen es gibt, wann die Tiere auf die Alm getrieben werden, worauf zu achten ist. Wegen der Wolfsrisse in der Vergangenheit muss regelmäßig nach den Tieren geschaut werden. Gerhard weiß, wie die Menschen sich verabreden, welche Aufgaben im Jahreskreislauf gerade anfallen und wo die schönsten Aussichten zu finden sind.
Warum die Blumenwiesen kein Zufall sind
Selbst ein Spaziergang über die Blumenwiesen birgt interessante Einblicke. Es sind nämlich die Kleinbauern, die diese Landschaften pflegen und mit ihrem Landschaftspflegefonds dafür sorgen, dass Spaziergänger von duftenden Kräutern begleitet werden.
Die meisten Bauern in Grundlsee mähen ihre Flächen bewusst nur zwei- bis max. dreimal im Jahr, zum „Heu & Grumet“ selten ein drittes Mal zum „Omadl“.
Dadurch gedeihen hier viele artenreiche Wiesen. Die Blumen dürfen ausblühen, Insekten finden Nahrung und das so eingebrachte Heu eignet sich am besten für eine gesunde und artgerechte Rinder- und Schafhaltung.
Wenn die Arbeit getan ist
Mindestens ebenso wichtig wie die Arbeit selbst ist im Ausseerland Salzkammergut das gesellige Beisammensein danach. Nach einem fleißigen Tag setzt man sich zur Jause zusammen und wenn ein Musikant anwesend ist mit seiner „Rumpö“ (Ziehharmonika), dann wird gerne auch musiziert und „gepascht“. Das rhythmische-mehrstimmige Händeklatschen ist typisch für das Ausseerland.
Für Musikabende gibt es in der Region diverse Veranstaltungen, die auch dieses Ausseerland Lebensgefühl vermitteln
Wer einen Blick ins echte Leben wirft, merkt, dass das Ausseerland keine Kulisse ist. Die Menschen pflegen das Miteinander, die Landschaft und ihre Traditionen seit vielen Generationen.