Drei Routen zwischen Genuss und großem Gebirge
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- Herbst, Region, Tipps & Ausflugsziele
Klettern im Gesäuse
Das Gesäuse gilt seit Generationen als „Universität des Bergsteigens“. Nicht, weil hier alles besonders schwer sein muss. Sondern weil man hier lernt, wie viel zwischen Einstieg und Gipfel passieren kann. Ein Zustieg, der schon nach Bergtag schmeckt. Eine Wand, die länger ist, als sie von unten wirkt. Eine Linie, die Aufmerksamkeit verlangt. Und ein Abstieg, bei dem man die Konzentration nicht zu früh in den Rucksack packen sollte.
Die folgenden Touren sollen hier nicht bis ins letzte Detail beschrieben werden. Dafür gibt es den Kletterführer Gesäuse von Jürgen Reinmüller und Andreas Hollinger mit Topos, Varianten und allen wichtigen Angaben. Hier geht es um den ersten Eindruck: Welche Route fühlt sich wonach an? Was macht ihren Charakter aus? Und warum passt sie so gut ins Gesäuse?
Wer sich alleine nicht sicher fühlt, sollte mit BergführerInnen unterwegs sein – die passenden Kontakte gibt es unter nachstehendem Link.
Planspitze Nordwestwand
Genuss mit Orientierungssinn
Die Planspitze Nordwestwand ist eine Route mit klassischem Gesäuse-Klang: nicht übertrieben schwer, aber auch nicht gedankenlos. Mit 4+ obligatorisch und rund 370 Metern Wandhöhe bewegt sie sich in moderatem Gelände, verlangt aber Orientierungssinn und Erfahrung mit mobilen Sicherungsmitteln.
Ihr Reiz liegt in der genussreichen Kletterei und im alpinen Ambiente. Besonders die direktere Variante bietet schönen Fels, teils wasserzerfressen und typisch Gesäuse: Man muss hinschauen, mitdenken und die Linie finden.
Kurz gesagt: Eine Route für alle, die Genuss mögen, aber den Kopf nicht am Einstieg abgeben.
König Löwenherz
Schöner Fels am Großen Buchstein
Der Name klingt weich, fast märchenhaft. Die Route selbst ist eine beliebte Plaisirlinie in der Südwand des Großen Buchstein. König Löwenherz bietet kompakten, teils wasserzerfressenen Fels, originelle Kletterstellen und eine gute Absicherung.
Mit 6+, 6 obligatorisch und rund 350 Metern Wandhöhe ist sie sportlicher als der Name vielleicht vermuten lässt. Wer hier einsteigt, bekommt eine schöne Linie mit viel Kletterfreude – aber eben trotzdem am Großen Buchstein. Und der kann, wie es im Kletterführer so treffend steht, ein „kalter Berg“ sein.
Kurz gesagt: Plaisir, ja. Aber mit Buchstein-Charakter.
Kalbling Südgrat
Viel begangen, nie belanglos
Der Kalbling Südgrat gehört zu den meistbegangenen Routen im Gesäuse. Und das merkt man: Die Linie ist beliebt, einprägsam und für viele ein Fixpunkt im Kletterleben der Region.
Mit 6-, 4- obligatorisch und rund 280 Metern Wandhöhe wirkt der Südgrat auf dem Papier überschaubar. Am Fels zeigt er dann, warum er so bekannt ist: ausgesetzte Passagen, ein markanter Quergang und dieses besondere Gefühl, an einem Grat unterwegs zu sein, der schon viele Geschichten gesehen hat.
Kurz gesagt: Viel begangen heißt nicht beliebig. Der Kalbling Südgrat bleibt eine Route, die Aufmerksamkeit verdient.
Genuss heißt hier: aufmerksam bleiben
Planspitze Nordwestwand. König Löwenherz. Kalbling Südgrat. Drei Routen, drei Stimmungen: einmal genussreich mit Orientierungsaufgabe, einmal Plaisir am Buchstein, einmal Grat mit viel Gesäuse-Geschichte.
Und genau das ist das Schöne am Klettern im Gesäuse: Es gibt viele Wege nach oben. Aber keiner davon ist egal.