Natürliche Schönheiten & wilde Vögel: Orchideen, Steinadler und Höhlenskorpione im Ausseerland
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- Lebensraum
- Autorin: Madeleine Mitrovic
Unzählige, teils seltene, Tiere und Pflanzen haben ihren natürlichen Lebensraum im Ausseerland Salzkammergut. Das sollte tunlichst auch so bleiben, denn Biodiversität und Artenvielfalt halten unser Ökosystem in Balance. Außerdem: Wo sonst können Höhlenskorpione, Wildnarzissen und der echten Saibling in freier Wildbahn so leben?
Wenn Natur-Mentor Matthias Pointinger über die Tiere und Pflanzen im Ausseerland erzählt, entstehen sofort Bilder im Kopf: „In den Mooren haben wir eine der größten Vielfalten an Orchideen. Die Knabenkrautarten tragen herrliche Blüten und sind extrem farbintensiv. Aber auch der Frauenschuh, ebenfalls eine Orchidee, ist wunderschön“, schwärmt Matthias. Vor allem für die Kinder spannend und interessant ist der Sonnentau. Die fleischfressende Pflanze besticht mit ihren grellen, roten Tentakeln. „Damit in Kombination mit Lockstoffen werden Insekten angelockt und dann macht die Pflanze zu. Das ist der Kreislauf der Natur“, so Matthias.
Karneval der Ausseerland Tiere
Wer den Blick öffnet, bekommt noch einiges mehr zu sehen in der Ausseerland Natur. Je nach Gelände und Lage, kommen unterschiedliche Arten vor: Besondere Schmetterlinge wie der Scheckenfalter, wilde Hühner, Spechte und Eulen, Gämsen und Wild, bis hin zu Fischen und Amphibien.
„Wenn bei uns Regen- bzw. Schmelzwasser Tümpel langsam austrocknen, sieht man wie sich Gelbbauchunken und Molche entwickeln. Sie wählen diese Kinderstube, weil es keine Fressfeinde gibt und sie dort ihre Ruhe haben.“
Natur-Mentor Matthias Pointinger
Auerhühner, auch der „große Hahn“ genannt, sind in höheren Lagen und Hangwäldern des Ausseerland Salzkammergut noch heimisch. Bis vor 100 Jahren fand man sie bis ins Grazer Becken hinein, doch inzwischen sind sie extrem selten geworden.
Berühmter sind ihre majestätischen Artgenossen, die Steinadler: Mit 230cm Flügelspannweite zählen die Räuber der Lüfte zu den größten Greifvögeln in der Alpenregion. Am Loser und im Toten Gebirge ziehen die Steinadler ihre Kreise über den Felswänden, was ein entsprechend imposantes Bild abgibt.
Naturerlebnis Ödensee
Neben besonderen Vögeln und Fischsorten in den sauberen, kühlen Ausseerland Gewässern gibt es zum Beispiel Fischotter und Biber, die sich nach ihrer Ausrottung wieder im Ausseerland angesiedelt haben. Matthias erinnert sich an einen populären Nager, der am Ödensee neben der Straße die Weiden anknabberte: „Wochenlang haben wir uns gefragt, ob er es schaffen wird, den Baum nicht auf die Straße zu schlägern – und jawohl! Die Weide ist genau richtig in die Traun gefallen“, schmunzelt der Natur-Mentor.
Ein besonders außergewöhnlicher „Ureinwohner“ ist der Höhlenskorpion. Diese Tiere sind ein uraltes Relikt. Über viele Millionen Jahre haben sie die gesamte Eiszeit in den Spalten, Klüften und Höhlen des Toten Gebirges überlebt. „Höhlenskorpionen kommen in den Höhlen im Dachsteinplateau und im Toten Gebirge vor und wurden erst in den 1970er Jahren von Karl Gaisberger entdeckt, weil sie tief im Berg versteckt leben“, schildert Matthias.
Veränderungen, die auffallen
Die Artenvielfalt in der Tier und Pflanzen-Welt macht ein Ökosystem gesund und stark. Aber auch Veränderungen werden aufmerksam wahrgenommen: „Es haben sich Goldschakale bei uns angesiedelt, die hier eigentlich nicht heimisch sind und als Räuber in das System eingreifen.“ Auch das Murmeltier – im Ausseerischen „Mangei“ genannt – hat sich seit ca. 10 Jahren aufgrund der milden Winter massiv in vielen Bereichen des Dachsteinplateaus angesiedelt, wo es ursprünglich nicht zu finden war.
Mit Schutzräumen wie dem Natura 2000 Schutzgebiet im Zuge des Life+ Projektes im Ausseerland wird einiges unternommen, um die Artenvielfalt in der Natur zu erhalten. Nicht nur, weil es schön ist anzusehen, vielmehr geht hier um das gesamte Ökosystem.
Alles hängt mit allem zusammen
Auf die Frage, welche Arten für das Ökosystem unverzichtbar sind, verweisen Expertinnen wie Karin Hochegger vom Naturschutzbund Steiermark auf die Komplexität des gesamten Systems: „Es beginnt mit sauberem Wasser, dem wir wirklich viel verdanken, weil es starken Einfluss auf die Biodiversität hat. Ich würde mir nicht anmaßen etwas Verzichtbares zu benennen. Wir wissen schlichtweg nicht, welche Eingriffe natürliche Systeme zum Kippen bringen“, erklärt die Forscherin und Naturschützerin.