© TVB Ausseerland - Salzkammergut/Theresa Schwaiger © TVB Ausseerland - Salzkammergut/Theresa Schwaiger

Moore zwischen Mysterium und Naturschönheit

Moore haben etwas Magisches. Früher galten sie als mysteriös, waren Quell vieler Geschichten und Sagen, aber auch ein Rohstoff, der zum Wohlstand der Region beitrug. Heute sind die Moorgebiete im Ausseerland Salzkammergut als besondere Naturlandschaften geschätzt und geschützt. Von der Eiszeit, über die Gewinnung des „weißen Goldes“ bis zur Flora und Fauna gibt es über diese besonderen Naturschönheiten einiges zu erzählen - und zu erleben.

Geheimnisvoll, von Nebel überzogen, mysteriös, gefährlich, so werden Moore in vielen Geschichten und Filmen dargestellt. Woher kommt das? „Der Boden schwabbelt und alles schwingt“, beschreibt Matthias Pointinger, Natur-Mentor im Ausseerland Salzkammergut, den  außergewöhnlichen Boden. Im Nebel wirkt alles noch geheimnisvoller: „Wenn die Temperaturen sinken, fängt es richtig an zu dampfen, denn das Moor ist ein massiver Wasserspeicher“, beschreibt Matthias.

 

   Die Sage von der „versunkenen Stadt im Rödschitzmoos“ erzählt von einer versunkenen Stadt, wo die Menschen einst in allzu viel Saus und Braus gelebt hatten, und von Irrlichtern, die im Moor zu sehen sind.    

Moore haben keinen festen Boden. Eigentlich geht man auf Wasser

– Karin Hochegger, Naturschutzbund Steiermark

Karin Hochegger vom Naturschutzbund Steiermark beschäftigt sich als Expertin intensiv mit den Mooren im Ausseerland Salzkammergut und deren Renaturierung. Sie begleitet die Erhebungsarbeiten, erforscht und saniert die wertvollen Naturgebiete. Karin bestätigt: „Moore sind nicht ungefährlich, denn sie haben keinen festen Boden. Man kann sie sich vorstellen wie einen See, der angefüllt ist mit Pflanzenmaterial, aber im Prinzip betritt man einen Wasserkörper.“ 

Das ist auch der Grund, weshalb man Hochmoore nicht betreten darf
Durch den Betritt werden die empfindlichen Torfmoose in der Wasserschicht zusammengepresst und beginnen, abzusterben. Immer wieder gibt es im Moor auch kleine Senken mit ungewissem Untergrund. „An manchen Stellen wächst eine Moosschicht an der Oberfläche und man sieht es gar nicht, wenn darunter Wasser liegt. Außerdem gibt es eine Menge Kreuzottern im Moor. Er ist ein Rückzugsort für Schlangen“, warnt die Naturschutz-Expertin und unterstreicht damit ihren Appel, die in der gesamten Region verteilten Moore möglichst in Ruhe zur lassen.

Naturerlebnis Ödensee

Erleben kann man das Moor als Besucher:in wunderbar auf sicheren Pfaden beim Naturerlebnis Ödensee.

Hier gibt es vorbereitete Wege und Schautafeln. Das Ödensee Moor bietet eine einzigartige Vegetation, für die es sich lohnt, genau hinzuschauen: Seltene Orchideen wachsen hier, eine fleischfressende Pflanze - der Sonnentau - und es tummeln sich auch interessante Tierchen. „Wenn Familien mit Kindern, oder Schulklassen das Ödensee-Moor besuchen sind sie immer ganz fasziniert, was es auf kleinstem Raum alles zu entdecken gibt“, schwärmt Matthias.

 

Alles begann mit einem Riesensee

Kaum zu glauben, aber diese Aufmerksamkeit und Wertschätzung bekommen die Moore erst seit den 2000er Jahren als die Klimaforschung zur Priorität wurde. Aus Sicht der Moorgeschichte ein Wimpernschlag: Das Ödensee-Moor entstand in bzw. nach der Eiszeit. Damals war das Ausseerland Salzkammergut von mehreren Seen bedeckt. Wo heute der beschauliche Ödensee liegt, wurde das damals riesige Seegebiet von einer eingeschobenen Muräne aufgestaut.

Hinweise aus dieser Zeit findet man heute noch an vielen Orten: „Den Seeton, die so genannte „Seekreide“ haben wir bis heute am Toplitzbach und an der Ödenseetraun. Die Schicht kann mehrere Meter dick sein und sie entsteht, wenn sich über lange Zeit in einem stehenden Gewässer abgeriebene, sehr feinen Kalkpartikel vom Gletscher absetzen. Das ist ein direkter Beweis für die ehemaligen großen Seen“, erzählt Natur-Mentor Matthias.

Auch als Brennstofflieferant mussten die Moore in früheren Jahrhunderten herhalten. Die Nutzung von Torf als Brennstoff für die Salinen war besonders im 18. und 19. Jahrhundert von Bedeutung, um den Energiebedarf beim Sieden der Sole zu decken. Der gestochene Torf wurde getrocknet und als Brennmaterial verwendet, um aus der Sole das Kristallsalz zu gewinnen. Damals war von CO2 Werten noch keine Rede, und immerhin brachte Salz, das „weiße Gold“, den Menschen im Salzkammergut Arbeit und Wohlstand.

Früher haben die Kinder aus dem Seeton Kreiden gewuzelt und damit geschrieben

– Matthias Pointinger, Natur-Mentor im Ausseerland Salzkammergut

Was steckt im Moor?

Sind wir heute schlauer?

Die Erkenntnisse um den besonderen Wert der Torfböden als CO2 Speicher werden mehr, doch viele ökologische Zusammenhänge sind nach wie vor unerforscht. Dafür setzt sich Karin Hochegger mit dem Naturschutzbund ein: „Ein wichtiger Teil unserer Arbeit im Ausseerland Salzkammergut ist die Erhebung, denn die Moore sind Lebensräume seltener Arten. Zum Beispiel lebt hier die letzte Population des Goldenen Scheckenfalters.“ Hand in Hand mit der  Sanierung der Moore müssen nach wie vor wichtige Grundlagen erforscht werden. Immer wieder stoßen die Teams dabei auf Neues, Unentdecktes.

Vom Revierförster wurden ca. 50 Zwergbirken in einem Moor entdeckt, die eigentlich Eiszeit-Relikte sind.

– erzählt Karin. Wie konnten so wenige Pflanzen so lange in diesem Gebiet überleben?

Mensch & Natur Hand in Hand

Das Wise-Use Prinzip

Die Moore tragen noch so manches Geheimnis in sich. Es im allgemeinen Interesse und im Sinne der Nachhaltigkeit und Arterhaltung, sie zu schützen.

Seit 2025 sind rund 150 Hektar Moorflächen im Ausseerland Salzkammergut als Ramsar-Gebiete ausgezeichnet. Die Ramsar-Konvention ist ein internationales Übereinkommen „zum Schutz und zur wohlausgewogenen Nutzung von Feuchtgebieten“. Das wichtigste Ramsar-Prinzip ist der sogenannte 'wise use', wonach der Erhalt und die nachhaltige Nutzung Hand in Hand gehen. 

Die rücksichtsvolle Nutzung von natürlichen Ressourcen ist im Ausseerland Salzkammergut an vielen Stellen ein Lebensprinzip. Auch bei den Mooren nennt Karin Hochegger ein Beispiel: Im Herbst werden die Randbereiche, die Niedermoore, gemäht und das Pflanzenmaterial als Einstreu für die Tiere und Stallungen verwendet. Die Bauern bekommen  Einstreu aus der Region, und die Niedermoore die erforderliche Mahd: „Die Gräser haben dann ihre Nährstoffe in die Wurzeln zurückgezogen und wir müssen im Niedermoor ohnehin mähen, damit sie nicht verbuschen. Das ist wichtig für die Schmetterlinge“, so die Naturschutz-Expertin.

Aktuell freut sich Karin Hochegger auf das LIFE Projekt „AMooRe“ im Ausseerland Salzkammergut, welches co-finanziert durch das Land Steiermark und die Europäische Union Erhebungen und Sanierungen durchführt. 

Luft nach oben gibt es immer, ist Karin Hochegger überzeugt: „Wir kämpfen nach wie vor um Unterstützung für die Moore und es gibt natürlich auch Interessenskonflikte. Aber wo sollen wir Klimaschutz betreiben, wenn nicht hier, in den Mooren?“

Wusstest du, dass …?

Hochmoore und Niedermoore unterschiedliche Wasserquellen haben?

Hochmoore werden nur vom Regenwasser gespeist. Weil das nährstoffarm ist, wachsen hier nur spezielle Pflanzen. Niedermoore hingegen haben Zugang zum Grundwasser. Durch die darin enthaltenen Nährstoffe können sie verbuschen und Bäume aufgehen. Sie benötigen daher Pflege.

Moore weltweit zu den wertvollsten und zugleich am stärksten bedrohten Lebensräumen gehören?

Im Mitterndorfer Becken, zwischen dem Klachauer Sattel bis nach Kainisch dokumentierten Karten im Jahr 1911 noch 188 Hektar Moor. Heute sind hier noch 115 Hektar vorhanden.

Ramsar Moore im Ausseerland Salzkammergut

  • Das Flecklmoos im hinteren Ödental im Toten Gebirge ist ein Moorkomplex auf ca. 1.200 m Seehöhe und besteht aus 19 Teilmooren.

  • Die Zlaimmöser Moore auf rund 1.350 m Seehöhe liegen nördlich des Mitterndorfer Beckens. Das Hochmoor konnte sich unbeeinflusst entwickeln.

  • Der Miesbodensee liegt auf 1.400m und ist mit besonderen Gräsern und Moosen bewachsen. 

Ramsar ist ein Prädikat (Gütesiegel). Fast alle Ramsar-Gebiete Österreichs sind auch rechtlich verordnete Schutzgebiete, z.B. Naturschutzgebiete.