I am from Ausseerland: Von Traditionen und Generationen

Das Ausseerland Salzkammergut ist bekannt für seine Traditionen. Bei Tracht, Handdruck und Mundart denkt man zunächst an etwas Vergangenes. Tatsächlich geht es aber genauso um Zukunft, darum, die regionalen Besonderheiten für die nächsten Generationen zu erhalten. Dieses Wissen findet sich nicht in Büchern. Es wird von den Menschen weitergegeben, in Familien, Vereinen, Betrieben und vielen kleinen Initiativen. Die junge Generation im Ausseerland wächst mit dem auf, was die Region ausmacht und findet ihren eigenen Zugang dazu.

Identität steckt oft in alltäglichen Details

Tradition ist im Ausseerland Salzkammergut überall. Zum Teil versteckt sie sich in Kleinigkeiten des Alltags, in Erinnerungen, in Gepflogenheiten. An anderen Stellen ist sie gut sichtbar, zum Beispiel in der Architektur, in der Kulinarik oder im Handwerk.

Brauchtum und kulturelle Wurzeln sind nichts, das man angreifen oder in einem Museum bestaunen kann. Vieles ist „immaterielles“ Erbe und lebt weiter, weil Menschen es von Generation zu Generation weitergeben. 

Schon in der Sprache steckt ein Stück regionaler Identität. Worte und Ausdrücke, die Ausseerland Bewohner:innen selbstverständlich verwenden, sind für Außenstehende oft gar nicht so einfach zu verstehen. „Grias enk“ etwa ist die gängige Begrüßung, „Kira“ bedeutet Kirche und „Dosige“ sind die Menschen von hier. Sogar zwischen den Orten verändert sich die Mundart ein wenig. Erfahrene Bewohner erkennen schon am Dialekt, ob jemand aus Gößl, Altaussee oder Bad Mitterndorf stammt.

Kultur und Brauchtum im Ausseerland Salzkammergut

Das Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie. Das Ausseerland Salzkammergut trägt das Österreichische Umweltzeichen, zu dessen Kriterien auch Bräuche, Traditionen, Kunst und Kultur gehören. Sie sollen wertgeschätzt, zugänglich gemacht und verantwortungsvoll vermittelt werden, ohne sie im kommerziell-touristischen Sinne „auszuschlachten“.

Im Ausseerland Salzkammergut sind es neben den Familien vor allem Vereine, kleine Betriebe und freiwillige Initiativen, die diese Lebenskultur weitertragen.

Neben der Sprache wird die regionale Identität auch in den gelebten Traditionen sichtbar.

Veranstaltungen wie das Nikolospiel, der Ausseer Fasching mit seinen historischen  Figuren und Kostümen, das Narzissenfest oder das musikalische Brauchtum entstehen in der Gemeinschaft. Dahinter stehen Vereine und Ehrenamtliche, die das ganze Jahr über proben, alles organisieren und gemeinsam gestalten. Die Feste selbst sind dann der feierliche Höhepunkt.

Wir hatten selbst immer eine Fuhr und ich durfte schon in jungen Jahren miterleben, wie sie bei uns im Betrieb gebaut werden. Also wollte ich diese Tradition auch weiterführen.

– Markus Amon

Future Faces: Die junge Generation rückt nach

Damit Tradition echt und lebendig bleibt, braucht sie junge Menschen, die sie weitertragen.

Ihre Wurzeln bekommt die junge Generation schon in den Familien, in der Schule und in der Gemeinschaft. Sie hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie sie es mit Tradition und Moderne halten möchte. Manche gründen Unternehmen mit ganz neuen Ideen, die von kreativer Kulinarik über Entertainment bis Dirndl-Upcycling reichen. Andere entscheiden sich, das Handwerk im Familienbetrieb weiterzuführen.

Für die traditionellen Plättenfahrten beispielsweise werden die Boote bis heute in Handarbeit gebaut. Markus Amon, ein junger Tischler aus Grundlsee, führt dieses besondere Handwerk in dritter Generation weiter. Besonders freut ihn, wenn er Plätten aus dem eigenen Betrieb mit ihren zufriedenen Besitzern auf verschiedensten Seen in ganz Österreich antrifft.

Auch Antonia und Franz Pleiner haben sich entschieden, den Familienbetrieb fortzuführen. Die Goldschmiedin und der Uhrmachermeister leiten gemeinsam das Juweliergeschäft in Bad Aussee:

„Tradition bedeutet für uns, Werte und Handwerk zu bewahren und weiterzugeben. Klassische Handwerkskunst, hochwertige Materialien und persönliche Beratung verbinden wir mit neuen Ideen und zeitgemäßen Trends. So entsteht etwas Modernes mit einem Hauch Tradition, verbunden mit unseren Wurzeln und offen für Neues", so die Geschwister Pleiner.

Vereine fördern Kultur des Miteinander

Eine wichtige Rolle spielen im Ausseerland die Vereine und ehrenamtlichen Organisationen. Musik-, Tanz-, Trachten- und Sportvereine bringen die Generationen zusammen und fördern die Gemeinschaft. Warum es so wertvoll ist, die junge Generation schon früh einzubinden, weiß Kapellmeister Andreas Langanger von der Salinenmusik Altaussee:

„Im Vereinsleben werden Dinge weitergegeben, die man in einer Musikschule nicht lernen kann, wie Rücksicht nehmen, aufeinander hören und gemeinsam spielen“, erzählt Andreas. 

Jungmusiker:innen wachsen bei der Salinenmusik Altaussee über die „Mini-Salzberg-Musi“ Schritt für Schritt in die Gemeinschaft hinein.

„Die Jungen lernen von den Älteren und bilden ihre eigenen Gruppen und Freundschaften. Das Miteinander ist das Wichtigste. Da geht es gar nicht nur ums Musizieren, sondern um Zusammengehörigkeit.“

Andreas Langanger, Kapellmeister Salinenmusik Altaussee

Andreas beschreibt den Verein wie einen Organismus, der sich entwickelt. Schon in jungen Jahren entstehen Beziehungen, die später das gemeinsame Musizieren und das Vereinsleben tragen. Musik ist ein fester Bestandteil der Ausseerland-Kultur. Die Salinenmusik Altaussee ist Heimat vieler Musikanten aus dem steirischen Salzkammergut.

Klein und fein

Neben den bekannten Festen und Bräuchen gibt es auch Traditionen, die im kleineren Kreis von den Menschen in der Region gepflegt werden. Nicht jede Brauchtumsveranstaltung richtet sich an Gäste. Ein Beispiel ist das Taubenschießen. Einst wurde es als „Sport der armen Leute“ begonnen und besteht seit mindestens 1878.

Auch Schulen werden bewusst eingebunden. Im Rahmen des Österreichischen Umweltzeichens waren die Schulkinder eingeladen, ihre kreativen Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit einzureichen. Die Volksschule Altaussee durfte sich als Gewinnerin über eine Fahrt mit dem Solarschiff freuen.