Vom Avalon zu den schwarzen Raben oder 4040 Jahre Apfelstraße
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- Autor: Josef Hirt, aus Kaindorf
Wenn ich durch Puch, das Zentrum des ApfelLandes spaziere, begegne ich buchstäblich Schritt für Schritt der runden Frucht. Apfel am Parkplatz, Apfel als Kunstwerk, Apfel im Wappen. Na klar, ich bin im Apfeldorf.
Aber beginnen wir beim Anfang. Als vor 4000 Jahren am Kulm, dem Hausberg der Pucher, die Kelten hausten. Was wir von ihnen wissen, was dort ausgegraben wurde, ist im Keltendorf zu sehen. Spuren findet man bereits am Eingang zum Kirchplatz, gleich gegenüber vom Kirchenwirt. Dort ist der Stein eingemauert, auf dem ein Keltenmädchen einen Apfel in der Hand hält.
So wissen wir, dass hier schon immer Obstbau betrieben worden ist. Und für die Kelten gab es „Avalon“, das mythische Paradies, in dem die Äpfel reiften.
Nur einige Schritte weiter stoßen wir auf den Grabstein des Eustach Weberhofer. Der war der Waldschulmeister, der vom Alpl nach Puch versetzt worden war und den dort Peter Rosegger besuchte. Und wieder taucht die Bezeichnung „Paradies“ für die Gegend auf. Denn für Rosegger, der aus dem rauen Bergland, seiner „Waldheimat“ kam, war diese Gunstlage der Garten Eden und er benannte seine Reise ins ApfelLand mit dem schönen Titel: „Als ich ins Paradies ging“.
Vor 40 Jahren haben einige visionäre Pucher rund um den Gärtnermeister Hans Höfler nach dem Vorbild der Südsteirischen Weinstraße die „Steirische Apfelstraße“ gegründet. Die 25 Kilometer zeigen jedem Besucher die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Obstbauern, Gastwirten und Gewerbebetrieben, die alle mit der runden Frucht zu tun haben. Der eine kultiviert die Äpfel auf seinen Feldern, der andere verkocht sie zu ganzen Menüfolgen und ein Gärtner veredelt die Bäume oder ein Tischler verarbeitet das Apfelholz zu Betten und Ziergegenständen.
In den vier Jahrzehnten ist viel geschehen und heute kann der Besucher auf der Apfelstraße so manches erleben. Ich starte in einem der vielen Hofläden und besuche den Wein- und Obsthof Wilhelm in Lingstätten. Dort ist auch der große Brennraum, in dem der Abakus „vergeistigt“ wird. Und davor begrüßt mich schon Sepp Wilhelm, der Chef, und erzählt mir auf Knopfdruck die Geschichte seiner Apfelmänner-Kollegen. Ein Erlebnis für sich ist der Hofladen, wo seine Frau Peperl nicht nur ein halbes Dutzend Apfelsorten in den Kisten anbietet, sondern alles, aber auch wirklich alles rund um den Apfel. Vom Kochbuch bis zum Apfel-Magneten, vom Obstkorb bis zum lang gelagerten „Zigarrenbrand“ aus den besten Apfelsorten.
Nach all den flüssigen Apfel-Köstlichkeiten geht es zu den festen Genüssen, die Petra Meißl in ihrem Wirtshaus im Pucher Ortszentrum bereithält. Ob Mostschaumsuppe oder Apfel-Dessert, hier lebt man in der Küche das gesunde Obst. Und wer über Nacht bleibt, kann in den Apfelbetten (die nicht nur mit Äpfeln dekoriert, sondern aus echtem Apfelholz gezimmert sind!) schlafen.
In Elz, gleich hinter dem „Größten Apfel der Welt“ – das ist ein hölzerner Torbogen über der Straße – ist eine der „Wiegen-Liegen“ aufgestellt. Der Steirische Künstler Markus Wilfling hat sie so gestaltet, dass man allein oder zu zweit genüsslich die schöne Landschaft erschaukeln kann. Und wer mag, lädt sich mit dem QR-Code den Apfel-Podcast herunter.
Viele Geschichten drehen sich um die legendären Apfelmänner, die den besten Apfelschnaps, den Abakus brennen. Das geschieht in der Brennklausur beim Wilhelm. Das fertige Produkt lagert nicht nur verborgen im Keller, jedes Jahr werden auch einige Flaschen in der Kirchenmauer für die Nachwelt versteckt.
Und in der Kirche klärt sich auch so manche Symbolik: Den schwarzen Raben, den jeder Apfelmann vor dem Haus hat, sieht man auch am Pucher Hochaltarbild. Es ist der Wappenvogel des Kirchenpatrons, des heiligen Oswald. Und die Kirche stammt aus dem Jahr 1444 und genauso viele Flaschen werden jährlich abgefüllt – und um 104,44 Euro verkauft.
So, zu viel will ich Euch nicht von der Apfelstraße erzählen, sonst wisst ihr alles und kommt nicht selbst vorbei – ein wenig Geheimnis muss schon sein. Nicht geheim ist das Blütenfest, das jedes Jahr am letzten Sonntag im April tausende Gäste in das „Hochgartl“ mitten im Apfeldorf lockt. Es ist der Höhepunkt der Apfel-Blütezeit, wenn Millionen Apfelbäume in eine weiß-rosa Schaumwolke getaucht sind. Und ein süßer Duft die Apfelgärten einhüllt. Für viele Gäste ist es „Die schönste Blüte Österreichs“.
Die Obstbauern stellen dann ihre Standl auf die grüne Wiese, gleich neben den blühenden Apfelbäumen auf. Und es werden die besten flüssigen und festen Apfel-Produkte angeboten – alle Arten von Säften, Apfelwein und Apfelschnaps, aber auch Wein, denn der wächst auch an der Apfelstraße. Bei Volksmusik und Tanz, Wanderung und Radtour schmecken die kulinarischen Apfel-Genüsse noch besser. Und heuer wird am Sonntag, 26. April das Jubiläums-Blütenfest gefeiert werden. Dann werden die neuen Obsthoheiten ganz offiziell von der Landesrätin und dem Kammerpräsidenten gekrönt und wieder zwei Jahre lang die Äpfel, Birnen und alles andere Obst der Steiermark repräsentieren.
Es gäbe noch viel zu erzählen über die Apfelstraße. Doch, wie gesagt, schaut sie euch selber an, die goldenen Hufeisen-Äpfel im Hochgartl, den „Gartentalent“-Erlebnisparcours in der Gärtnerei Höfler oder die Hofläden der Obstbau-Betriebe. Und wenn zwischen den Apfelbäumen immer wieder eine Rechenmaschine und ein schwarzer Rabe auftaucht, so wisst ihr, dass ein Apfelmann nicht weit ist.
Alle weiteren Infos zur Oststeiermark, zu Ausflugszielen, Radwegen, Wandertouren und der besonderen Kulinarik findet man direkt auf der Website der Erlebnisregion Oststeiermark.