Jahrestagung der Bergsteigerdörfer: Das Gesäuse zu Gast in der Schweiz
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- Menschen & Geschichten, Region, Bergsteigen
- Autorin: Hanna Giraudo
Johnsbach ist von Anfang an dabei.
Als Umsetzungsprojekt der Alpenkonvention wurden die Bergsteigerdörfer 2008 gegründet. Johnsbach war von Anfang an dabei. Damals noch als eigenständige Gemeinde unter Antrieb des damaligen Bürgermeisters Ludwig Wolf, besser bekannt als der Kölblwirt.
Seit der Gründung sind viele Dörfer dazugekommen. Heute zählt die Initiative über 40 Bergsteigerdörfer im Alpenraum: in Slowenien, Österreich, Italien, der Schweiz und Deutschland.
Bei der Jahrestagung kommen Menschen aus all diesen Orten zusammen, um sich über aktuelle Themen auszutauschen und gemeinsam an Ideen zu arbeiten. In Lavin, Guarda & Ardez im schweizerischen Unterengadin stand heuer alles unter dem Thema "Wasser schützen, nutzen und erleben".
Neben Fachvorträgen und Workshops standen auch Exkursionen auf dem Programm. Dank der frischen Schneefälle kam dabei schon richtige Winterstimmung auf. Das Wasser lernten wir also auch in seiner gefrorenen Form kennen. Stellenweise bis zur Hüfte.
Freitag: Fachvorträge und Workshops
Nach einer herzlichen Begrüßung durften wir spannenden Fachvorträgen lauschen. Es ging beispielsweise um das integrierte Einzugsgebietsmanagement – also darum, wie Wasser innerhalb eines ganzen Einzugsgebiets gemeinsam und vorausschauend bewirtschaftet wird.
Mit dem Extremschwimmer Ernst Bromeis wurde es auch philosophisch: Hat Wasser eine Seele? Und wie weit reist ein Tropfen Wasser eigentlich? Mehr Infos zu Ernst und seinen Wasserprojekten gibt’s bei Das Blaue Wunder.
Nach einem vielseitigen Mittagsbuffet, zu dem alle Bergsteigerdörfer etwas beisteuerten, ging es weiter zu den Workshops. Impulse, Austausch und Diskussionen zu Themen wie „Wasser für alle – aber wer hat welchen Anspruch?“ oder „Wassererlebnisse gestalten – voneinander lernen“ prägten den Nachmittag. Im Anschluss an eine Dorfführung durch Lavin ließen wir den ersten Abend bei einem Apérol, einem Konzert der Musikgesellschaft Ardez und einem gemeinsamen Abendessen ausklingen.
Samstag: Exkursion, Beispiel Chamonna Tuoi
Am Samstagmorgen brachen die verschiedenen Exkursionsgruppen auf, um Wasser in seinen unterschiedlichsten Formen zu entdecken. Vom Leben im Moor und der Geologie über Quellen und Brunnen bis hin zu Dorfführungen in Guarda und Ardez war für alle etwas dabei.
Wir vom TVB Gesäuse entschieden uns für eine leichte Wanderung zur Chamonna Tuoi, einer alpinen Schutzhütte des Schweizer Alpen-Clubs. So weit der Plan. Durch den frühen Wintereinbruch wurde daraus ein Stapfen durch teils knie-, teils hüfthohen Schnee. Nach etwa einer Stunde Anmarsch durften wir einen Blick in die Hütte werfen. Bei einer gemeinsamen Jause lernten wir den Umgang mit Wasser auf der Hütte kennen.
Anders als auf vielen anderen Hütten herrscht hier zeitweise kein Mangel, sondern ein großer Überschuss. So viel, dass sogar Strom durch Wasserkraft erzeugt wird – mit einer eigenen Turbine hinter dem Haus. 24 Batterien im Keller speichern die Energie und ermöglichen damit bis zu zwei Tage Hüttenbetrieb.
Doch im Februar und März gibt es auch hier kein Wasser. Dann stellen sich die gleichen Fragen wie andernorts: Woher soll das Wasser kommen, das zum Trinken, Spülen und Waschen gebraucht wird? Ein anschauliches Beispiel dafür, wie nah Wasserüberschuss und Wassermangel beieinanderliegen können. Sogar auf derselben Hütte.
Zum Abschluss wurde es romanisch
Nach dem Rückweg von der Hütte und einer warmen Dusche ging es zum Festabend. Ein Konzert des romanisch singenden Duos Mi’amia und später Tanzmusik von Rümli Gäng rundeten das Wochenende ab. Die kulturelle Vielfalt im Unterengadin wurde dabei einmal mehr hörbar.
Und es gab schon einen Grund zur Vorfreude: 2027 findet die Jahrestagung bei unseren Nachbarn im Bergsteigerdorf Lunz am See statt. Wir freuen uns mit ihnen.
Tradition und Alpinismus
Die Bergsteigerdörfer stehen für ein bewusstes und ganzheitliches Naturerlebnis. Bewegung aus eigener Kraft, Genuss und Entschleunigung gehören hier genauso dazu wie gelebte Tradition und Alpinismus. Dahinter stehen Menschen, die Hütten bewirtschaften, regionale Produkte auf den Tisch bringen und ihre alpine Erfahrung weitergeben. So bleibt die Wertschöpfung vor Ort und die Dorfkultur lebendig. Auch in Johnsbach gehört das zusammen.
Bei der Jahrestagung wird über die eigenen Berggipfel hinausgeschaut. Wie gehen andere Dörfer mit Wasserknappheit um? Was funktioniert auf ihren Hütten? Aus dem Austausch entstehen Ideen, die auch daheim etwas bewegen können. Damit die Bergsteigerdörfer lebenswerte Orte bleiben – für alle, die hier wohnen und die hier ihre Bergzeit verbringen.
Bist du neugierig? Besuch uns in Johnsbach. Wo weniger mehr ist.