06.01.2017

Über die Anfänge des Skibergsteigens

Längst gilt der Skilauf als Wirtschaftsfaktor und das Fehlen der weißen Unterlage bzw. die für die Produktion von Maschinenschnee zu warmen Temperaturen zu Beginn der Wintersaison lassen bei den Seilbahn-, aber auch bei den Tourismusverantwortlichen, die Köpfe rauchen.


Schwer vorstellbar, dass der Winter mit seinen Elementen Eis und Schnee bis vor ca. 125 Jahren in Mitteleuropa ein unliebsamer Gast war. Erst durch das Buch Nansens „Auf Schneeschuhen durch Grönland“ inspiriert, begannen einige Wegbereiter, meist akademisch oder militärisch gebildete, wohlhabende Männer aus der gehobenen Bürgerschicht, die in Städten oder Mittelgebirgen lebten, sich mit dem Ski als winterlichem Fortbewegungsmittel zu beschäftigen.

Toni Schruf, der Mürzzuschlager Hotelier und Skipionier berichtet von dieser Zeit in seiner „Gedenkschrift an die Einführung des Skilaufens in den österreichischen Alpenländern“:

„Der als Alpinist und Radfahrer schon damals berühmte Grazer Sportsmann Max Kleinoscheg war mit zwei langen Bretteln erschienen, von denen er erzählte, daß sie uns die Kraft gäben, den Widerstand des nordischen Riesen zu brechen und den eisigen Firn seines Reiches zu erobern, daß der sonst unbezwingliche Schnee unter diesen Hölzern sich zur Fahrbahn umwandle und dem Wanderer Brücken baue über Bäche, Gräben und Schlünde.“

Max Kleinoscheg und Toni Schruf erkannten im Gebrauch des „Schneeschuhes“- wie der Ski damals noch genannt wurde - nicht nur neue Möglichkeiten im winterlichen Fremdenverkehr, sondern sie probierten die Bretter bei mehreren Touren in der Gebirgswelt rund um Mürzzuschlag gleich selbst aus.

In „Viktor Silberers Allgemeiner Sportzeitung“ lesen wir von der Erstbesteigung des Stuhlecks, des höchsten Berges der Fischbacher Alpen, die am 8. Februar 1892 erfolgte. (Sie gilt als erste Skibesteigung eines Alpengipfels):

„Der Schneeschuhsport hat sich auch in Steiermark, wo zahlreiche athletische Sportzweige mit regem Eifer und erfreulichem Erfolg gepflegt werden, Terrain erobert. So wird aus Mürzzuschlag geschrieben: Diese Tage unternahmen die Herren Max Kleinoscheg aus Graz, W.Wenderich aus Bruck und Hotelier A.Schruf von hier eine Tour mit norwegischen Ski auf das Stuhleck, welche auf das Beste gelungen ist. ...

Der stellenweise bis zu einer Höhe von 10m angewehte Schnee trug vortrefflich, die Ski liessen kaum eine Spur zurück. Die Pyramide auf dem Stuhleck (1783 Meter) wurde nach etwa zweieinhalbstündiger Fahrzeit erreicht. ...

Weit schwieriger als die Auffahrt gestaltete sich die Thalfahrt; das Hochplateau war in pittoresken, scharfkantigen Wellen vereist, so daß die Ski wie kleine Segelboote auf bewegter See tanzten und nur mit Mühe die genaue Richtung eingehalten werden konnte.

 

Text: © Mag. Hannes Nothnagl, Dezember 2015

Foto: © Winter!Sport!Museum! Mürzzuschlag: „Max Kleinoschegs Ski von der Erstbesteigung des Stuhlecks können im Winter!Sport!Museum! Mürzzuschlag besichtigt werden“

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