28.06.2018

Die Vorfahren der Kräuterkunde

Wer glaubt, dass Kräuterheilkunde und das Wissen darüber erst seit dem modernen Zeitgeist für alternative Gesundheitsmedizin an Bedeutung gewann, der irrt. In der Steiermark beschäftigte sich bereits im 19. Jahrhundert Erzherzog Johann intensiv mit der heilenden Kraft der heimischen Alpenkräuter und Pflanzen.


Erzherzog Johann ging vor allem in der Steiermark als großer Modernisierer in die Geschichte ein. Allerdings ließ er sich auch gerne „rückbesinnen“, sozusagen zu altbewährten und traditionellen Mitteln. Als guter Freund von Michael Hölzl – seiner Zeit anerkanntester Botaniker und Heilpflanzenexperte Europas – verfiel auch er der Faszination und Wirkung der heimischen Alpenkräuter. Viele Stunden verbrachten sie gemeinsam auf Kräuterwanderungen in den Wäldern rund um Mariazell und ließen sich von den alpinen Naturheilkräutern inspirieren. Das gesammelte „Wissen“ verarbeitete Michael Hölzl dann in seinen bis heute geheimen Rezepturen für den Verkauf in der „Apotheke zur Gnadenmutter“ in Mariazell. Dort ließ sich Erzherzog Johann, wie auch viele andere berühmte Persönlichkeiten, Zeit seines Lebens mit Kräuter- und Pflanzenheilmittel behandeln.

300 Jahre Geschichte und Wissen

Uraltes Wissen lagert in den Gemäuern der 300 Jahre alten Apotheke. Eine der ältesten Rezepturen geht sogar auf das Jahr 1780 zurück. Seit damals werden nämlich die „Mariazeller Magentropfen“ nach Originalrezept händisch angefertigt. In Wien, Brüssel, Antwerpen, London und Paris wurden sie bereits Anfang des letzten Jahrhunderts mit den höchsten Auszeichnungen versehen und erlangten dadurch Weltruhm, der bis heute anhält.
 

Schützenswertes Kulturgut

Das umfassende und über Generationen überlieferte Wissen blieb der Apotheke bis heute erhalten und wurde aufgrund dessen auch ins österreichische UNESCO-Verzeichnis für „immaterielles Kulturerbe“ aufgenommen. Eine besondere Ehre für die heutige Inhaberin Dr. Angelika Prentner, die das Erbe der Apotheke 2007 übernahm und erfolgreich weiterführt. Über 400 Heilpflanzen und Heilkräuter kommen für die Medizinherstellung zum Einsatz – die besten und anerkanntesten, die die europäische Natur und Tradition zu bieten hat.

„Hanti‘“ macht gesund

Schon früh schwören Einheimische und Wallfahrer zudem auf die magenberuhigende Wirkung des Mariazeller Magenbitters. 1883 entwickelte Cajetan Arzberger den berühmten Magenlikör aus 33 Heilkräutern, der bei Völlegefühl, Störungen im Verdauungstrakt, Appetitlosigkeit und verdorbenem Magen Abhilfe schafft. Urenkel und „Mariazeller Original“ Walter Arzberger führt bis heute die Tradition der Herstellung fort und bietet Wallfahrern damit ein „Willkommensgeschenk“ nach einer langen Pilgerreise. Tipp: Die Likörmanufaktur kann man übrigens auch besichtigen und so mehr über die Geschichte und die Herstellung des Mariazeller Magenlikörs erfahren – inklusive Verkostung des Unikums.

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