Woher die Osterbräuche kommen...

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  • Kulturgenuss im Grünen, Frühling
Osterdekoration basteln, Eier färben, etwas Süßes backen und die Momente teilen. Wir sehen uns genauer an, wie das alte Brauchtum rund um die Osterfeiertage entstanden ist…

Wie Ostern zu früheren Zeiten an Höfen gefeiert wurde, hat uns eine Expertin erzählt: Unser Interview führt uns ins Österreichische Freilichtmuseum in Stübing. Hier forscht Frau Michaela Steinböck-Köhler als Sammlungskuratorin zu alten und neuen Bräuchen in Österreich. Wir haben bei ihr nachgefragt, was wir schon immer über diese Feiertage wissen wollten.  

Liebe Frau Steinböck-Köhler, Sie sind Expertin für Brauchtumsfragen. Dürfen wir Sie fragen: Warum verschenkt man zu Ostern eigentlich Eier? Wie wurden die Eier früher gefärbt?

Michaela Steinböck-Köhler: Man sagt, dass der Zehent, die Steuerabgabe der Bauern an die Grundherren damals, ausschlaggebend für den Brauch des Eierverschenkens gewesen sein soll. Der Gründonnerstag galt als Zahlungs- und Zinstermin für Schulden. Da viele Gläubiger mit Naturalien zahlten und oftmals so auch mit Eiern, – auch Zinseier genannt – soll der Brauch angeblich darauf zurückgeführt werden. Aufgrund der frühjahrsbedingten Legefreudigkeit der Hennen und der vorösterlichen Fastenzeit, die neben Fleisch auch Eier miteinbezog, kam es zu einem regelrechten Eierüberschuss. Der sich dann natürlich als ideales Zahlungsmittel anbot. Als die Naturaliengaben für den Zehnten wegfielen, blieb der Brauch des Eierverschenkens erhalten.

Gefärbt wurde schon lange, ja. Funde zeigen, dass bereits die frühen Christen Mesopotamiens bunte Eier hatten. Dass die Eier verschiedentlich gefärbt wurden, hatte praktische Gründe, da konnten die Eier voneinander gut unterschieden werden. Um die gekochten von den frischen Eiern zu unterscheiden, wurden Pflanzen zum Färben der Eier mit in das Kochwasser getan. Somit gab es am Ostersonntag verschieden gefärbte Eier – das ist bis heute so erhalten.

Was war früher traditionelles Osterhandwerk? 

Michaela Steinböck-Köhler: Osterhandwerk, im heutigen Sinn, hat es einst nicht gegeben. Heute würde man beispielsweise das Korbflechten (darin werden Osterspeisen zur Fleischweihe in die Kirche tragen) zum Osterhandwerk zählen…Sowie Ratschen bauen oder das Besticken der Weihdecke, die im Korb auf die Speisen gelegt wird. Materialien wurden der Jahreszeit entsprechend dazu verwendet.

 

Die Osterjause ist zu Ostern gern gesehen. Wir kennen alle den gefüllten Osterkorb mit Schinken, Kren, Radieschen und Bauernbrot. Was hat man früher zu Ostern gekocht?

Michaela Steinböck-Köhler: Genau, diese Speisen sind in der Steiermark traditionell. Zur Osterzeit wurden einst von der Bäuerin große Schinken gekocht, das Fleisch ließ man in der Suppe auskühlen. Mit Schinkenstücken, hart gekochten Eiern und Krenwurze, obendrauf ein Laib helles Osterbrot, wurde der Weihkorb gefüllt. Der Korb wurde auf ein reich besticktes Weihtuch gestellt. Wichtig dabei: Die Enden wurden übereinander geschlagen, verknotet und zur Speisensegnung gebracht. Am Morgen des Ostersonntags kam endlich der feierliche Moment, an dem der Weihkorb geöffnet wurde.

Zur Osterzeit wurden große Laibe Weihbrot aus weißem Mehl mit Milch und Germ im Backofen gebacken. Wer es sehr fein machen wollte, gab ein paar Rosinen hinein. Das Osterbrot ist ja bis heute sehr beliebt.

Was ist ein alter Osterbrauch, den wenige kennen?

Michaela Steinböck-Köhler: Da gibt es viele Bräuche, die unbekannter sind. Ich nenne hier einen, das Eierscheiben: Eine Rutsche aus zwei Brettern war schnell gebaut. Über diese ließen die Kinder die Eier über einen nicht so steilen Hang rollen. In einem weiten Bogen laufen sie dann nach rechts oder links. Je nachdem wohin man die Spitze gerichtet hat. Der nächste musste nun versuchen, das Ei zu treffen, dann gehörte es ihm. Sonst blieb es ebenfalls liegen, bis eines getroffen wurde.

Ein anderer Brauch war, mit einer Münze in einem gezielten Wurf die Eischale zu beschädigen. Gelang es nicht, so bekam der Gegner die Münze.

 

Apropos Ostern feiern: Wir basteln gerne unterschiedliche Dekorationen. Was gehört zu einem traditionellen Osterstrauch?

Michaela Steinböck-Köhler: Heutzutage hat sich der Osterstrauch in unseren Breiten eingebürgert: Über das exakte Alter des Osterstrauches gibt es allerdings keine Aufzeichnungen. Bestehend aus Palmkätzchen, vielleicht auch Kirsche oder gelben Forsythien, werden die Zweige traditionell mehrere Tage vor dem Osterfest ins Haus gestellt, damit sie zu Ostern blühen oder grüne Blätter austreiben. Sie gelten damit als Symbol der Fruchtbarkeit, des über die Kälte siegenden Frühlings und des aufblühenden Lebens. Ausgeblasene, oft verzierte Eier sowie österliche Figuren aus Holz werden an den Sträußen aufgehängt.

Der Osterstrauch hat sich seit den 1960er-Jahren mehr und mehr eingebürgert. Wissenschaftlich ist das zwar nicht belegt, aber möglicherweise hat sich der Osterstrauch aus den Palmbuschen mit den bunten Bändern entwickelt.

Das klingt wirklich spannend. Man bekommt bei Ihren Erzählungen schon Lust, die ersten Eier kunstvoll zu färben. Haben Sie einen Tipp dafür, wie wurde das früher gemacht?

Michaela Steinböck-Köhler: Ja, gerne: Zum Färben der Eier kann man verschiedene Obst- und Gemüsesorten mit intensiven Farbstoffen verwenden. Beispielsweise rote Rüben, getrocknete Heidelbeeren, Blattspinat oder Zwiebel. Vor allem die roten Zwiebel, die färben gut. Neben diesen gefärbten Eiern gab es einst auch mit Sprüchen versehene Ostereier…

Wir bedanken uns für die interessanten Infos rund um unser Osterbrauchtum und wünschen schöne Feiertage.