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Erzherzog Johann

Dass er eine Postmeisterstochter geheiratet hat, wissen fast alle, so weit man Deutsch spricht. Die Bewohner der Steiermark wissen darüber hinaus, dass es in diesem Land fast nichts gibt, was nicht in irgendeiner Form, direkt oder indirekt, auf ihn, den sie den „Steirischen Prinzen“ nennen, zurückgeht. Dass er 1848, vom ersten deutschen Parlament gewählt, deutscher Reichsverweser war, wissen nicht einmal mehr die Frankfurter.

 

Golo Mann, der sonst dem alten Österreich und den Habsburgern mit verständnisvollem Respekt begegnet, hat in seiner „Deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ für den Reichsverweser Erzherzog Johann nur ein paar böse Sätze über: Er ist übrigens populär, seit langem mit Metternich verfeindet, liberal, was man so nennt, und verheiratet mit einer Postmeisterstochter, deren Nachkommen er gern eine schöne Stellung sichern würde ... Johann ist nicht mehr der Jüngste, er hat in den Kriegen gegen die Französische Revolution kommandiert und im Jahre 1800 eine Schlacht verloren. Das ist eine Weile her. Den Ton der neuen Zeit trifft der alte Herr vortrefflich, den Biedermann spielt er gut. Viel wird von ihm im Laufe unserer Erzählung nicht mehr die Rede sein, denn er wird ein falsches, aber schwaches Spiel spielen und nichts zuwege bringen.